Potpourri

Der Wunsch nach Freiheit konkurriert immer mit unserer Bequemlichkeit.

8 Kommentare 05 Januar 2012

Tim Wu

Während dem Dokumentar-Film “Das Coolness-Diktat” ist mir eine Person ganz besonders positiv aufgefallen. Tim Wu ist Autor des Buches “The Master Switch – The rise and fall of information empires” und Berater der Obama-Regierung in Amerika. Er gehört zu den Personen, welche sich Gedanken machen über die Redefreiheit und wie wir an Informationen kommen. Und dabei hat er eine Aussage gemacht, welche mich seit Tagen beschäftigt:

Unser Wunsch nach Freiheit wird immer mit unserer Bequemlichkeit konkurrieren!

Autsch! Hört sich irgendwie negativ an, trifft es aber genau auf den Punkt, und zwar für jede Situation! Mit welchem Betriebssystem hätte ich wohl die grösste Freiheit? Wahrscheinlich mit einem Linux-OS. Aber dann sind längst nicht alle Programme und Dateitypen kompatibel damit. Ich müsste etwas konvertieren, spezielle Software einkaufen, hätte länger und müsste mit Knowhow zulegen. Warum dann nicht gleich ein Mac. Anschliessen, anschalten und schon geht praktisch alles. Ohne Installation, ohne konvertieren…

Ebenso verhält es sich mit dem iPod/iPhone und iTunes. Natürlich kann ich ein Android Smartphone an jeden x-beliebigen PC anhängen und von Ordner zu Ordner ein paar MP3 verschieben. Mir persönlich ist es aber lieber, wenn ich bei iTunes ein Musikstück einkaufen und es dann sofort per iCloud bei meinen mobilen iOS-Geräten zur Verfügung gestellt wird. Im schlimmsten Fall, ohne iCloud, beim nächsten Synchronisieren. Da mache ich mir, dank den intelligenten Wiedergabelisten, sowieso nie die Mühe einzelne Dateien hin und her zu bewegen, sondern lasse da iTunes für mich arbeiten. Mit der Einschränkung, dass mein iPhone nicht einfach an einen Windows-PC hängen kann und mal eine neue MP3-Datei rüber schieben kann.

Tim nannte in der Doku noch das Beispiel der Regierungsform. Wahrscheinlich ist die Demokratie die wohl fairste Regierungsform. Aber nicht sehr effizient! Geplänkel während den Wahlen, Geldverschwendung für Wahlkampf, Parteiliche Auseinandersetzungen welche eine politisch faire Lösung eines Problems verhindern, und, und, und… Rein rational gedacht wäre die effektivste Regierungsform wohl eine Diktatur mit einem gerechten und guten Führer. Aber wer kann schon entscheiden, welcher Kopf der “richtige” Diktator ist? Plato selbst meinte auch:

Allerdings ist die Demokratie zur Zeit noch die beste Art der Regierung, weitaus besser und gerechter als z.B. eine Monarchie oder gar ein diktatorisches Regime.

Für eine gerechte Demokratie müssen wir aber kämpfen. Das hat jüngst auch der arabische Frühling gezeigt. Zum Glück müssen wir in der Schweiz nicht zu Waffen greifen, aber wir dürfen nicht müde werden unsere Anliegen kund zu tun. Sei es durch aktives Abstimmen bei den Wahlen oder in dem wir selbst Initiativen auf die Beine stellen oder aktiv unterstützen.

Es gibt wichtige Punkte, bei denen dürfen wir uns nicht von der Bequemlichkeit verleiten lassen. In Dingen wie Linux oder Mac, da bin ich gerne Bequem und lasse die Maschinen einfache Arbeiten für mich erledigen und freue mich über ein einfaches Handling.


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+Renato Mitra ist ein leidenschaftlicher Blogger, Apple Evangelist, Social Media Manager bei MySign AG, Twitterer, Vater und Ehemann.

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8 Comments so far

  1. Chrigu L. sagt:

    Ich als Apple-Enthusiast bin froh, mich nicht mehr mit der Herumschieberei von mp3-Dateien kümmern zu müssen. Das ist doch wie wenn man heute noch mit Kassetten Musik hört. Das Softwareangebot und die Techniken machen fortschritte, doch viele bleiben bei ihren alten Techniken (eben der Rumschieberei) die sie mal gelernt haben, und meinen sie seien noch bei den Leuten dabei. Technische Aufgeschlossenheit definiere ich anders… :-)

  2. Das sehe ich genauso, früher habe ich noch mit Linux gebastelt (neben meinem Apple Rechnern) selber server aufgesetzt mit debian und alles mögliche experimentiert, aber heute ist es einfach so dass ich meine Rechner Benutzern möchte und nicht warten und deshalb gibt es nichts besseres als ein mac dafür.

    aber vom Prinzip her ist es genauso wie beim Thema Sicherheit, möchtest du Sicherheit dann wird es unbequem, Sicherheit heisst dass einige dinge im netz nicht funktionieren, alles andere ist Bequemlichkeit :-)

  3. Hudson sagt:

    Renato, besten Dank für diesen Artikel. Artikel dieser Art sind der Grund, warum ich den ApfelBlog so gerne lese.

    Und was Martin R. gesagt, kann ich nur unterstützen: Ich bin auf den Mac umgestiegen, weil ich zu Hause nicht auch noch basteln und werkeln wollte, da soll es einfach funktionieren (in der Firma muss ich das schon genug machen). Und man kann das Wort “Freiheit” direkt gegen “Sicherheit” tauschen. Auch diese ist unbequem, verlangsamt viele Prozesse und verteuert sie zudem noch.

  4. Chris sagt:

    Vielen Dank für diesen Artikel – genau diese Gedanken hatte ich bei der Einführung von iCloud, aber wer hat schon Lust und Zeit, Adressbücher und Kalender per Hand synchron zu halten? –
    Ein gesundes Maß an Misstrauen sollten wir uns trotz aller Bequemlichkeit aber erhalten!

  5. Reto Spring sagt:

    Spannende Gedanken. Die Quintessenz daraus dürfe allerdings sein, wie sich „Freiheit“ definiert. Diese Definition dürfte für jeden etwas anders aussehen. Für mich ist Freiheit (auf die Gadgets bezogen) wenn der ChrimsChrams einfach funktioniert. Ich habe dann mehr Zeit für Sachen die mir wichtig(er) sind. So gesehen kann sich Freiheit bis ins Gegensätzliche definieren. Aber mit der Philosophie wollen wir es an einem so düsteren Donnerstag ja nun auch nicht grad übertreiben:-)

  6. Seimen sagt:

    Guter Artikel! Regt zum Nachdenken an und lässt sich auf viele Lebensbereiche übertragen.

  7. Fabrizio sagt:

    Vielen Dank für den Beitrag!

  8. ymotux sagt:

    Sehr schöner Artikel. Ich hab mir den Film letzte Woche auch angeschaut.
    Für mich als Linuxer kam das ziemlich schräg rüber. Der ganze Fankult, das beinahe Religiöse etc. Fands und finds komisch.
    Freiheit ist immer ziemlich unbequem. Sobald man sich neben den Wegen bewegt, findet man die Freiheit, aber muss auch Widerstände entgegennehmen. Ist nicht nur bei der Wahl des OS so.
    Ich rate euch, doch mal eine moderne Linux Distribution zu probieren. Ich empfehl Ubuntu, gibt aber auch andere. Ihr werdet merken, dass dies auch keine Frickelei mehr ist und ihr nach der Installation, die ca. 3 bis 4 Eingaben erfordert und eine Stunde dauert, gleich anfangen könnt zu arbeiten.


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