Apple macht sehr vieles richtig… Aber nicht alles.

Apple 24. Juli 2013

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Renato

Apple macht sehr vieles richtig… Aber nicht alles.

Apple Headphones, by fullhdwpp.com

Neulich gab es im Tagesanzeiger ein Interview mit Olivia El Sayed unter dem Titel „Apple macht sehr vieles richtig„. Die junge Frau ist Buchautorin und Brand Managerin bei The Brander. Die Zeitung fragte, was an einer Marke fasziniert.

Nehmen wir das Beispiel Apple. Man muss der Firma nicht hörig sein. Aber ist es nicht unglaublich, dass man heute alle Anhänger dieser Marke an ihren weissen Kopfhörern erkennt? Apple macht sehr vieles richtig.

Frau El Sayed hat da gar nicht so unrecht. Sicher sind euch die weissen Kopfhörer auch schon aufgefallen. Bei der Veröffentlichung damals konnte man gar nicht so richtig glauben, dass Apple weisse Kopfhörer mit dem iPod ausliefert. Alle anderen MP3-Player hatten, wenn überhaupt, schwarze Kopfhörer. Das war beim Walkman schon so und soll immer noch so sein. Ãœberhaupt werden weisse Kopfhörer viel schneller schmutziger…  Inzwischen sind die weissen Kopfhörer von Apple ein Wahrzeichen. Man erkennt in der Bahn, auf dem Gehsteig und überall sofort die weissen Kopfhörer und verbindet diese automatisch mit einem iPod, iPhone oder anderen Gerät von Apple.

Verschobene Wahrnehmung der Leser dank unvollständigem Journalismus

Was mich aber wesentlich mehr fasziniert hat als das Interview, sind die Reaktionen der Leser. Die Produkte von Apple werden „Blut-Geräte“ genannt und immer wieder werden auf die schlechten Arbeitsbedingungen in den asiatischen Fabriken von Apple hingewiesen.

Ja, Apple lässt in asiatischen Ländern produzieren. Die Arbeitsbedingungen sind selbst für lokale Vergleiche nicht optimal. Im Vergleich zum Westen natürlich wesentlich schlechter. Die Fabrik, über welche Apple immer wieder an den Pranger gestellt wird ist Foxconn. Wir wissen ja inzwischen, dass alle IT-Marken dort produzieren lassen. Alle Arbeiter arbeiten unter den gleichen schlechten Bedingungen für Microsoft, Nintendo, Amazon, Dell, Hewlett-Packard, IBM, Lenovo, Motorola, Nokia, Sony, Toshiba, Cisco, Intel und sogar Samsung. Seit dem aufdecken des Vorfalls arbeitet Apple mit einer unabhängigen Organisation an der kontinuierlichen Verbesserung. Geregelte Arbeitszeiten, Reduktion der Ãœberzeiten, bessere Löhne, unfallfreie Arbeitsplätze. Apple investiert viel Geld in den Fertigungspartner für die Verbesserung. Alle Schritte werden auch öffentlich zugänglich gemacht. Dies Verbesserung beziehe sich aber auf die Fertigungsstrassen der Apple Produkte. Foxconn-Mitarbeiter welche für Produkte der Konkurrenz arbeiten müssen, können noch nicht von den Verbesserungen profitieren oder nur vereinzelt…

Samsung kann sich gut verstecken

Beim Mitbewerber Samsung ist es noch viel schwieriger die echten Arbeitsbedingungen aufzudecken. Vieles wird in den eigenen Fabriken in Südkorea gefertigt. Unfälle mit Chemikalien werden da unter den Teppich gekehrt und Schadensersatzzahlungen der tödlich verletzten oder schwerstbehinderten Mitarbeiter vor Gericht so lange in die Länge gezogen, bis diese aufgeben oder eine kleine Zahlung aussergerichtlich bekommen. Die Familie Lee von Samsung ist in ganz Südkorea gut vernetzt. Niemand wagt es Samsung zu beschmutzen…

Apple ist ein dankbares Opfer

Aber ja, Apple ist ein dankbares Opfer. Das wusste damals schon Greenpeace. Inzwischen bezieht Apple schon beinahe 100% der Energie aus erneuerbaren Stromquellen. Den Mitbewerbern ist es egal. Sie dürfen weiterhin schmutzigen, billigen Strom verbrauchen. Ähnlich läuft es im Moment mit den Arbeitsbedingungen. Apple bemüht sich und verlagert immer mehr Aufträge weg von Samsung und Foxconn zu anderen Anbietern. Einige der Arbeiten werden auch wieder ins Mutterland USA zurückgenommen. Aber auch hier, die Konkurrenz braucht nichts zu tun, denn das Scheinwerferlicht zeigt nur zu Apple! Vielleicht wäre es an der Zeit, dass die Journalisten das Volk aufklären und den Lichtkegel etwas grösser machen. Aber wäre natürlich doof wenn die Leserschaft sich bewusst wird, dass jeder ein Blut-Gerät besitzt und man nicht mehr einfach Apple böse anschauen kann, sondern vor der eigenen Türe kehren sollte…

Von dem her ja: Apple macht vieles richtig, aber eben nicht alles. Wer macht das schon… Wichtig ist aber, dass man sich zumindest darum bemüht alles richtig zu machen!

Renato

+Renato Mitra ist ein leidenschaftlicher Vollblut-Blogger. Apple Experte. MINI Fan. Kommuniziert leidenschaftlich gerne über digitale Kanäle. Ansonsten: Try, fail, think, learn, repeat.
8 Comments
  1. micha

    und die aussage von dem artikel ist jetzt welche? da steht nur blabla, gab es schon vor 5jahren, null informationen. und mal ehrlich... weiße kopfhörer = apple ...!? das war vor 10jahren der fall. heute sollte man schon genauer hinsehen, den jede zweite marke hat mittlerweile weiße kopfhörer.

  2. Raffi

    DIe Aussage ist, dass Apple-Bashing sehr beliebt ist und vielfach dazu benutz wird, von den eigenen Problemen abzulenken. Zudem sagt Renato nicht, dass weiss = Apple ist, sondern weiss = Wird mit Apple in Verbindung gebracht. Was denkst du, wieso das andere plötzlich auch weisse Kopfhörer machen? Kann es ein Anfall an Ideenlosigkeit sein?

  3. Dani

    Samsung hat 2012 den Public Eye Award erhalten für eines der übelsten Unternehmen, nur knapp hinter der jap. Tepco (AKW explodiert), aber das passt nicht so sehr ins Gut-böse-Schema der Apple-Hater und übrigen Dummschwätzer, darum lässt man da am besten Gras darüber wachsen... und wie du richtig schreibst, Apple ist ein dankbares Opfer, denn es wehrt sich nicht öffentlich. Wenn Apple daher etwas besser machen kann, dann ganz sicher PR. Ich glaube Steve Jobs hielt das für komplett überflüssig.

  4. Ted

    ach das arme arme Apple, jetzt habe ich fast ein wenig Mitleid... zum Glück gibt es noch Apple Blogs/Jünger und Evangelisten, die das wieder ins rechte Licht rücken... Vielen Dank auch

  5. Renato Mitra

    Sehr gerne.

  6. Renato Mitra

    Apple wehrt sich nicht? Jein. Ich denke Apple hat relativ schnell auf die Vorfälle bei Foxconn reagiert und auch die Solar-Farmen in Amerika wurden in Rekordzeit aufgebaut und in Betrieb genommen. Ich denke Apple antwortet einfach mit der Lösung und nicht mit Floskeln.

  7. Pinacol

    Jedes Unternehmen, welches Erfolg hat wird angegriffen. Die Underdogs (vor ein paar Jahren war das Apple) wurden gehypt und Microsoft "gebääscht". Altavista wurde "gebääscht und Google hochgelobt. Jetzt ist Google gross und alle bääschen drauf los. David vs Goliath wird es immer geben.

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