Foxconn – Apple soll es richten

Apple 30. Mai 2010

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Foxconn – Apple soll es richten

Foxconn

Schockiert hat Europa erfahren, dass es in diesem Jahr bisher elf Selbstmorde in einer chinesischen Fabrik des taiwanesischen Hersteller von Elektronik- und Computer-Teilen Foxconn gab. Für mich persönlich ist es immer wieder erschreckend und unbegreiflich wie aussichtslos eine Situation für einen Menschen sein muss, dass sich dieser das Leben nimmt.

Diese Vorfälle haben einmal mehr die Aufmerksamkeit der Amerikaner und Europäer nach China gelenkt. In China werden nicht einfach aus Spass günstige Teile für den Weltmarkt hergestellt. Die günstige Fertigung geht nur in dem man den Umweltschutz missachtet und die Arbeiter bis an die Grenzen des Machbaren ausnutzt. Bei Foxconn selber gibt es eine ganze Reihe von militärischen Regeln welche die Mitarbeiter einhalten müssen:

  • Alle Mitarbeiter leben auf dem Gelände der Firma und dürfen diese nur mit Bewilligung verlassen.
  • Am Arbeitsplatz darf nicht gesprochen werden.
  • Die Arbeiter dürfen nur nach einem bestimmten Plan auf die Toiletten.
  • Gearbeitet wird 12h am Tag und 6 Tage pro Woche.
  • Arbeiter müssen sich Beschimpfungen und Mobbing der Vorgesetzten gefallen lassen.

Dank der Medienpräsenz hat das Unternehmen reagiert, jedoch anders als gedacht. Das Foxconn-Management liess den Sklaven Mitarbeiter einen Vertrag zukommen, in dem sie sich schriftlich verpflichten müssen, keinen Selbstmord zu begehen. Weiter erlaubten sie mit ihrer Unterschrift dem Unternehmen, sie „zum eigenen Schutz und dem anderer“ in eine psychiatrische Klinik zu schicken, sollten sie in einer „anormalen geistigen oder körperlichen Verfassung sein“. Also wurde einmal mehr militärisch reagiert.

Das Vorgehen war natürlich nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Denn dafür hat man sich etwas netteres überlegt: Eine Gehaltserhöhung von 20%! Mit mehr Geld sollen die Arbeiter eine positivere Lebenseinstellung gewinnen. Übrigens, das Gehalt beträgt aktuell rund 106 Euro pro Monat im Durchschnitt!

Das Unternehmen wird auch nicht müde darauf hinzuweisen, dass die Selbstmordrate in China ansonsten wesentlich höher ist. Normalerweise töten sich in China 13 Personen von 100’000 Einwohner. Somit liegt die Fabrik mit 300’000 bis 400’000 weit unter dem Schnitt. Ãœbrigens, eine höhere Selbstmordrate hat unter anderem auch die Schweiz. Da töten sich rund 24 Personen pro 100’000 Einwohner im Jahr.

Apple soll es nun richten
Mir ist aufgefallen, dass die Medien in erster Linie immer Apple als Kunde von Foxconn nennen. Etwas vergessen geht die Tatsache, dass rund  75% aller Intel Produkte bei Foxconn hergestellt werden. Ebenso werden alle Rechner für die amerikanische Computerfirma Dell dort hergestellt und auch HP gehört zu den grossen Kunden. Weiter werden die Sony-PlayStations und Mobiltelefone namhafter Anbieter in den Werken gebaut. Und trotzdem hört man immer nur von einem iPhone-Boykott oder ähnlichem.

Ich persönlich nenne das, den Greenpeace-Effekt. Greenpeace hat die beliebte und medienwirksame Marke Apple auserkoren um auf die umweltschädlichen Bauteile in Computer hinzuweisen. Obwohl andere Hersteller wie Nintendo schlechtere Ergebnisse hatten, wurde immer auf Apple hingewiesen. Inzwischen hat Apple reagiert, die Computer umweltfreundlich gemacht und nutzt im Gegenzug nun jede Gelegenheit darauf hinzuweisen, wie grün die Computer doch sind.

Jetzt wird es an der Zeit, dass Apple auch in China aufräumt. Apple hätte nun die Chance dem Unternehmen eine neue Firmen-Philosophie aufzuzwingen im Umgang mit den Mitarbeiter. Natürlich könnte Apple dann wieder in der Werbung prahlen, dass die Computer nicht nur grün sind, sondern auch unter fairen Bedingungen geschaffen wurden! Doch wäre das nicht wieder eine Art von Diktatur, wenn Apple der Foxconn sagt, wie man mit den Mitarbeiter umzugehen hat?

Mein persönliches Fazit
Apple steht gerne im Mittelpunkt der medialen Berichterstattung und muss nun die Konsequenz daraus ziehen! Europa und Amerika hätten nun die Chance in China den Menschen etwas mehr Rechte zu geben. Ich hoffe inständig, dass die Firmen wie Apple, Dell, Intel, HP, Sony und Foxconn die Missstände selber aus der Welt schaffen bevor die Konsumenten mit Boykotten die Hersteller dazu zwingen müssen. Denn zuletzt verliert wieder die Bevölkerung von China wenn keine Aufträge mehr kommen… Die Mitarbeiter werden einfach entlassen.

Quellen:

ist ein leidenschaftlicher Vollblut-Blogger. Apple Experte. MINI Fan. Kommuniziert leidenschaftlich gerne über digitale Kanäle. Ansonsten: Try, fail, think, learn, repeat.
25 Comments
  1. Marius

    Ich finde es schade, dass es für viele Medien wieder nur ein Grund ist, in die aktuelle Apple-Hetze einzusteigen. Steve Jobs als Diktator hier, Apple als Verfechter von Zensur im AppStore da, jetzt Apple als die Firma, die Foxconn beim Ausbeuten unterstützt. Wie im Artikel beschrieben sind viele große Firmen Kunde bei Foxconn und diese tendenziöse Berichterstattung ist langsam echt traurig. Ich fände es jedoch selbstverständlich wünschenswert, wenn die großen Firmen und gerne auch Apple allen voran ein Zeichen setzen, dass man nicht bereit ist, solche Missstände länger zu dulden.

  2. Marco

    Sorry aber was soll das dort werden wenn man während 12h 6tage die beschimpfungen und mobbing ertragen muss frag ich mich nicht wiso es 11Tote gab. Kündigen können sie ja nicht denke ich zumindest.

  3. apfelmann70

    Warum unterstützt Apple nicht mal auch die amerikanische Wirtschaft. Normalerweise müsste man alles boykottieren was aus China kommt. Was die dort machen, ist nicht mehr normal. Okay, die Chinesen sagen wieder, dass wir eine andere Auffassung von der Lebenskultur haben. Aber wenn eine Gesellschaft ein Klima schafft, was den Bürgern nur noch den Freitot als einzigen Ausweg lässt, dann ist diese Gesellschaft zum scheitern verurteilt und arbeitet gegen jeglichen Humanen Regeln! Ich liebe Apple und ich mag auch die Chinesen aber es gibt Grenzen und die sind schon lange überschritten.

  4. Michael

    Ehm in der Schweiz sind 17.5 auf 100000 nicht 24. Das sind die Männer.

  5. gollom

    @apfelmann70 man kann sich schon fragen warum apple die US wirtschaft nich unterstüztzt. Guck dir mal an was n ipad kosten würde, wenn du denn in den USA zusammenschrauben würdest. Dann überlegst du dir wen den noch kaufen würde. Dann hast du deine Antwort parat. Bis die Chinesen genug geld haben und Ihre wirtschaft aufgebaut ist nutzt der westen das noch aus. Mich freuts mit günstigen Produkten =) Hart aber wahr!

  6. Oli

    Ich bin mir nicht so sicher, dass tiefe Preise nur mit Umweltbelastung und Ausbeutung von Arbeitnehmer zu erreichen ist. Sind etwas gar gewagte Annahmen meiner Meinung nach. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass Apple und auch Dell einen Code of Conduct mit Foxconn abgeschlossen haben und auch mal Leute zum überprüfen hinschicken. Dieser soll gewisse Standards errichten. Richtig durchsetzen lässt sich dieser aber nie. Dafür muss die Regierung der "Volkrepublik" der Arbeiterklasse gewisse Rechte geben (Etwas zwischen Europa und USA wäre wünschenswert) und diese auch durchsetzen. Unternehmen (wie Google) können dabei Druck machen. Wäre eigentlich schön zu sehen, wenn Apple sich da auch ein wenig einsetzen würde ( so wie bei der Bekämpfung von Prop 8 in Cali). Mit gewissem Organisatorischem Geschick können auch die Kosten weiterhin tief bleiben. Mal schauen...

  7. so

    Ist ja klar das man auf Apple zielt. Auf die grossen geht man. Und schliesslich haben sie ja das neue Iphön bei Foxconn bestellt, und Intel Inside sind sie ja auch. Ausserdem kann man ja jetzt mal mit den Green und Qualitäts Märchen abschliessen.. Apple lässt genau so gut, billig und Umweltfreundlich produzieren wie alle anderen auch. Und Apple Produkte kosten nicht mehr weil sie besser sind, sondern ganz einfach weil sie mehr verdienen.

  8. marc69

    Das find ich gut: Mit einer Unterschrift bestätigen, dass man keinen Selbstmord macht. Was, wenn doch? Wird man verklagt? Oder kommt man gar in's Gefängnis? ...

  9. woohoo

    @apfelmann70: Sorry, ist aber ein bisschen naiv. Wenn die Produktion von China in die USA verlegt wird, steigen die Preise der Endprodukte. Wir zeigen immer gerne mit dem Finger auf die Chinesen - selber aber wollen wir möglichst tolle Produkte zu einem möglichst niedrigen Preis. Selbstverständlich ist das absolut nicht in Ordnung, was dort abgeht. Aber es ist nicht nur das Hightech Business - es wird in Hunderten anderen chinesischen Fabriken, die Spielzeug, Kleider oder Schuhe ebenfalls so zu und her gehen. Da hilft eben nur eines: die Politik muss es richten.

  10. Fabian Pimminger

    Apple prahlt sogar schon mit den fairen Bedingungen: http://www.apple.com/supplierresponsibility/

  11. Cheecoh

    In der heutigen Zeit der massen Globalisierung ist es doch kein Wunder. Wenn die Regierung in China es ermöglicht bessere Bedingungen zu schaffen, wird sich anschließend ein anderes Land gesucht. Dank der schnellen Kommunikation werden weitere Millionen in solche Länder Investiert und es lebe ein neues Land in dem Mann(Firmen) billig produzieren können.. So hart es klingt, aber seit dem wir dem schnellen Wachstum der Technologie unterliegen sind die möglichkeiten der billigen Produktion uneingeschränkt. Warum werden diese Millionen nicht in die Maschninen-Forschung eingesetzt um effizientere sowie vollautomatisierte Maschinen herzustellen. Die Welt von heute ist in dem Bezug einfach nur Grausam. Gewinn-Maximierung sei dank!

  12. Nick777

    Ich glaube nicht, dass die Selbstmorde irgendetwas direkt mit der Firma oder sonst was mit Apple und so zu tun hat. Wie Renato ja schon gesagt hat... die Rate ist sogar niedriger als normal! Was soll das Gelaber also, dass sich bei foxconn besonders viele umbringen? Sogar in Deutschland ist die Rate höher... also alle mal schön entspannen... das wird nur von den Medien ein wenig aufgebauscht.

  13. nojetlag

    Schon erstaunlich wieviel Naivität man antrifft. Diese Arbeitsbedingungen kommen daher das die grossen amerikanischen Konzernen Ihren Suppliern knallhart sagen was finanziell drin liegt und dabei werden die Supplier gnadenlos gegeneinander ausgespielt. Es gab mal eine Doku wie dreckig sich die Konzerne in China verhalten. Die Hersteller würden gerne etwas mehr machen in Sachen sozialer Standards, aber das liegt einfach nicht drin. Und im Westen schreibt man dann noch die bösen Chinesen die Ihre Landsleute ausbeuten und die Amis werfen wieder ein paar Dollars in Goodwill Kampagnien und sind wieder mal die Saubermänner. Welch bittere Ironie. Sobald aber China generell die Regeln verbessert wird mit Abwanderung der Produktion nach Vietnam oder anderen ärmeren Ländern gedroht. Gleichzeitig jammert Amerika über die Handelsdefizite an welchen sich Ihre eigenen Konzerne gesundstossen. Das nennt man Turbokapitalismus PUR.

  14. Sam

    Berichterstattung in den Medien ist meiner Erfahrung nach meistens (bis immer) tendenziös. Da steht Apple nicht alleine da. Apple mit ihrer SIMlock- und anderen Diktaten hat einiges der Kritik bestens verdient. Allzuviel Mitleid hier in den Kommentaren ist übertrieben. China ist dann aber doch ein anderes Thema. Viele, die noch nie da waren, schreiben gerne lang und breit über Rechte etc dort. Ich bin Mitglied von Amnesty International und keineswegs unkritisch - aber meine Zeit in dem Land hat mir einiges gelehrt über die Denkweise dort, über die Situation der Arbeiter etc. Man soll Druck aufrecht erhalten - weil es die Verbesserung der Bedingungen für Arbeiter unterstützt. Man soll aber nicht so tun, als seien wir die ach so Heiligen, die China sagen können, wie man es richtig macht. Zumindest niemand, der unfair gehandelte Produkte aus Afrika konsumiert, seine CO2-Footprints nicht kompensiert und seine finanzielle Verantwortung in Krisengebieten und Armutsbekämpfung nicht wahrnimmt. Man könnte viel schreiben über die chinesische Kultur (mag aber nicht auf meinem bösen iPhone). Das Land hat in den letzten Jahren 400 Millionen Menschen aus der Armit geholt während der Westen teure Konferenzen zur Armutsbekämpfung abgehalten hat - ohne viel Wirkung. Nur so als kleine Ergänzung :-)

  15. Renato

    @Sam: Naja, Sim-Lock ist ja keine Erfindung von Apple. Das gab es schon vor 8 Jahren bei Palm und Co. Und wer weiss, vielleicht wird das Provider-Spiel noch dieses Jahr aufgelöst...

  16. so

    @renato Mich nimmts ja wunder wieviele den vollen Preis für ein Iphone zahlen.... Würde mal sagen 30% der Rest sucht sich was anderes...

  17. EH

    Der Mensch und das Leben muss im Mittelpunkt stehen. Ich warte gerne auf mein iphone, wenn dadurch die Chance auf mehr Fairness steigt. Ich erwarte von einem Produzenten die gleiche Weitsicht. Hier zaehle ich auf die Intelligenz von Apple, den anderen Herstellern und allen deren Kunden. Der Ausbeuter ist Foxconn, ihn muessen wir die Fairness lehren, notfalls aufdraengen. Es geht um Leben, das sollte Motivation genug sein.

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