NFC wird mit iOS 11 geöffnet. Ein bisschen.

NFC wird mit iOS 11 geöffnet. Ein bisschen.

Selbst bei mir ging der Hinweis  für einen offenen Umgang mit Near Field Communication (NFC) unter. Könnte daran gelegen haben, dass ich die Keynote nicht nur verfolgt habe, sondern nebenbei gleich die Zusammenfassung geschrieben habe… Es darf aber durchaus gefeiert werden, dass Apple NFC nun auch für andere Apps, ausserhalb von Apple Pay, öffnet.

NFC reader mode in iOS 11

In den Spezifikationen kommt dann aber die Ernüchterung…

Reading NFC NDEF tags is supported on iPhone 7 and iPhone 7 Plus.

Wer ein älteres iPhone als iPhone 7 oder iPhone 7 Plus besitzt, bei dem wird es nichts mit dem auslesen von NFC Tags. Noch etwas umstritten ist, ob mit einem nur „reader mode“ eine sichere Zahlungs-App entwickelt werden kann. Wenn ich, als Laie, es richtig verstanden habe braucht es für eine sichere Übertragung eine Kommunikation, sprich es muss nicht nur ausgelesen, sondern auch geschrieben werden können. Das würde bedeuten, dass man mit der Öffnung von NFC zwar Informationen aus Fitnessgeräten oder sonstigen Tags auslesen kann, aber nicht Informationen austauschen oder mit anderen Geräten interagieren kann. Im Endeffekt wäre Apple Pay immer noch das einzige Zahlungsmittel welches über NFC funktioniert. Vielleicht ist aber auch die Dokumentation noch nicht gänzlich erneuert, denn NFC soll auch auf der Apple Watch geöffnet werden, was in der aktuellen Spezifikation wiederum nicht explizit festgehalten ist.

Aber vielleicht gibt es unter meinen Lesern ein paar Entwickler, welche sich zu dem Thema äussern können?

  • Fabio Poloni

    Apple hat mit iOS 11 ein neues Framework namens „Core NFC“ veröffentlicht, das es App Entwicklern erlaubt NFC Tags auszulesen. Aus der Dokumentation geht hervor, dass sich diese Technologie wie im Beitrag erwähnt nur auf der neusten Generation iPhones nutzen lässt. Ausserdem scheint es eine Ein-Weg-Kommunikation zu sein – es werden lediglich Daten von NFC Tags gelesen und nicht geschrieben.

    Sinn und Zweck wird es wohl sein, dass App Entwickler Ihre Apps um diese Schnittstelle erweitern und so beispielsweise NFC Tags an bestimmten Orten in Läden und sonstigen öffentlichen Plätzen platzieren, um mit der zugehörigen App zusätzliche Informationen zu liefern. Ein Museum könnte so zusätzliche Informationen zu Kunstwerken liefern oder ein Lebensmittelladen könnte wichtige Allergie-Hinweise und Rezepte an den Regalen platzieren, die mit der App ausgelesen werden können. Dies würde auch blinden Personen das Einkaufen erleichtern.

    Normale NFC-Transaktionen, wie wir sie von einer Kreditkarte kennen, können damit nicht abgewickelt werden. Da es sich lediglich um einen „Reader“ handelt und nicht auch um einen „Sender“.

    Es wäre jedoch möglich ein unabhängiges Bezahl-System zu entwickeln, das auf dieser Technologie und dieser primitiven Kommunikation aufbaut. Hierbei schiele ich ganz fest auf die Firma TWINT, welche Ende letztes Jahres mit Paymit fusioniert hat und somit auch Support von den Banken bekommt. TWINT könnte die Brücke schlagen, die benötigt wäre, um die Ein-Weg-Kommunikation in eine Zwei-Weg-Kommunikation zu verwandeln.
    Wenn man eine Transaktion mit einem Bluetooth-Beacon von TWINT abwickelt, dann werden Daten zwischen Beacon und Smartphone direkt ausgetauscht. Der Beacon hat Internet-Zugang und kann die Transaktion online bestätigen (auch wenn das Smartphone kein Netz hat). Kauft man jedoch bei einem Händler online ein, bekommt man von der Kasse einen Code (alphanumerisch zum Abtippen oder QR-Code zum Scannen). Dieser Code wird in der App eingegeben und dann kommuniziert die TWINT App direkt mit den TWINT Servern und bestätigt die Transaktion. Anschliessend wird diese an der Kasse bestätigt. Bedingung dazu ist, dass sowohl Smartphone, als auch Kassensystem online sind.
    Wenn man diese Bedingungen erfüllt, wäre es auch möglich, dass man den Transaktionscode über die NFC-Schnittstelle des iPhones auslesen kann, anstatt ihn abzutippen oder zu scannen. Die App könnte also sehr einfach und schnell erweitert werden. Auf der Gegenseite benötigt man dann nur noch einen NFC-Tag. Glücklicherweise sind bereits heute ein Grossteil der Kassen mit NFC für Kreditkarten ausgerüstet und haben daher sowohl einen NFC-Chip, als auch eine Internetverbindung zu bieten. So könnte man die bestehenden Terminals „updaten“, so dass bei einer Zahlung mit TWINT der Transaktionscode in den NFC-Chip geschrieben wird und die App diesen auslesen kann.

    In der Theorie ist es also möglich, dass TWINT in Zukunft über jedes beliebiges Bezahlterminal mit NFC angeboten werden kann, ohne dass für den Kunden oder für den Händler eine neue Hardware nötig ist.

  • Besten Dank für die ausführliche Antwort. Klingt für mich plausibel und durchaus machbar…