Streaming tötet das Musik-Business. Schon wieder.

iPod, iTunes & Music 17. Oktober 2013 2 min read
Amsterdam Dance Event Conference

author:

Streaming tötet das Musik-Business. Schon wieder.

Reading Time: 2 minutesAmsterdam Dance Event Conference

Seit vielen Jahren reise ich immer im Oktober nach Amsterdam an die Amsterdam Dance Event. Eine Konferenz rund um elektronische Tanzmusik (EDM). Es geht um Artisten, Produzenten, Labels, Musikvertrieb, Event Manager und, und, und… Hier werden Bekanntschaften geknüpft, Geschäfte gemacht und sich über aktuelle und zukünftige Entwicklungen in der Szene ausgetauscht. Auf eine sehr unverkrampfte Art und Weise.

Natürlich bin ich aktuell auch in diesem Jahr wieder vor Ort. Das erste grosse Thema was mich hier, und die Branche, beschäftigt sind die aktuellen Entwicklungen im Bereich Musik-Streaming. Tatsächlich ist die Musik-Branche, nicht nur EDM jedoch insbesondere, wieder im Umbruch. Im Umbruch, weil die Technik sich im Moment rasant weiterentwickelt und dem Endkonsumenten neue Möglichkeiten bietet an Musik zu kommen. Zuerst immer illegal, später dann legal. Nach den MP3 und der Musik-Piraterie über Napster und Apple’s iTunes, was aufgeblasene Alben überflüssig machte killt Musik-Streaming das Business.

Man kann sich vorstellen, dass wenn der Endkonsument maximal CHF 13.- bezahlt um auf den gesamten Musikkatalog zu zugreifen, die Labels und die Artisten natürlich davon nicht mehr leben können. Spotify selber sagt von sich, dass man 70% aller Einnahmen an die Rechteinhaber ausschüttet. Je grösser die Spotify-Gemeinschaft ist, desto grösser ist der Ertrag den man dann auszahlen kann. [tweetable]Will ein Künstler bei Spotify 1’160 USD verdienen, so muss sein Song über 4 Millionen mal angehört werden.[/tweetable]

Digital Royalties

Wie geht es hier weiter? Können Musiker nur noch überleben, wenn man einen Zweitjob hat? Oder nur die grossen, welche mit Touren und Konzerten noch richtig Geld verdienen können? Oder muss das Umsystem der Künstler bestehend aus Manager, Musiklabel, Vertrieb und Services aussterben? Wehrt sich die Industrie und boykottiert die Streaming-Services?

Die Frage ist auch, wie verhalten wir Konsumenten uns? Gemäss Spotify will die Jugend gar keine Musik mehr besitzen wie es die ältere Generation vielleicht noch will. Dagegen spricht der Trend, dass vermehrt, auch bei Jugendlichen, der Musikstream aufgezeichnet wird, dass man die Musik unabhängig von Abo und Internet-Zugriff, hören kann.

Ich bin gespannt wie es weiter geht. Apple versucht ja mit iTunes Radio die Brücke zu schlagen. iTunes Radio streamt die Musik mit interessanten Playlists um die Endkonsumenten auf neue, frische und unbekannte Musik aufmerksam zu machen. Gefällt die Musik, ist man nur ein Klick vom Kauf entfernt. Zumindest wesentlich näher als bei Spotify und Co.

Apropos Spotify. [tweetable]Hier an der #ADE13 geht das Gerücht um, dass Spotify bald auch Musikvideos streamen wird.[/tweetable] Spotify selber will dazu nichts sagen.

Wie dem auch sei, am Ende wird wohl die Technik und Endkonsumenten gewinnen. Die Musik-Branche muss sich, wie auch immer, anpassen. Es lohnt sich sicher die Auen und Ohren weit offen zu halten und nicht wie beim Internet den Trends völlig zu verschlafen.

Renato Mitra ist ein leidenschaftlicher Vollblut-Blogger. Apple Experte. MINI Fan. Kommuniziert leidenschaftlich gerne über digitale Kanäle. Ansonsten: Try, fail, think, learn, repeat.
17 Comments
  1. ted

    Die Musik Industrie wie man sie kennt... immer am Klagen. Dass dank Streaming viele User die vorher "illegal" Musik heruntergeladen haben, nun Monat für Monat rund 12 Franken für Musik augeben, wird einfach ausgeblendet. Es gibt auch viele, die vorher Alben kauften, dank Streaming nun aber deutlich mehr Geld augeben im Jahr. Natürlich gibt es auch das Gegenteil. Aber letzt endlich wird sich das etwa die Waage halten. Weiter höre ich nun dank Streaming auch ganz andere Künstler die sonst nie einen Cent gesehen hätten wegen mir... Wenn nicht alle Künstler daven leben können, ist das halt eben der Wttbewerb unddie freie Wirtschaft. Es gibt viele Leute, die trotz 100% Job noch einem zweit Job nachgehen müssen, warum sill das bei Musikern anders sein?

  2. borisbaesler

    Die zentrale Aussage, die ich aus der Darstellung herauslese ist: Verabschiedet Euch von Euren Labels. Die fressen 80% Eures Anteils. Natürlich kümmern sich diese Labels um die Finanzierung der Aufnahmen, um Marketing und Vertrieb, haben also sicher ihre Berechtigung im Ökosystem. Ein wesentlicher Teil des Marketings ist aber auch, potentiellen Kunden die Musik *gratis* auf's Ohr zu drücken. Es gibt wohl wenige, die sagen: Ich hab da gestern die Werbung für eine CD eines mir völlig unbekannten Künstlers im 20 Minuten gesehen, noch nie was von ihm gehört, aber jetzt ziehe ich los und kaufe die CD. Ob diese Hörproben über Radiosender (klassisch) oder über Streaming-Dienste kommen ist doch eigentlich egal, oder? Vielleicht gibt es Menschen, die Dank des Streamings keine Musik mehr kaufen und besitzen wollen. Mit der Einführung des Radios ergab sich aber theoretisch das selbe Problem: Ich denke nicht, dass ich in den 80ern Musik aus dem Radio aufgenommen habe, die ich mir – sofern sie wirklich gut war – nicht später gekauft habe. (Disclaimer: Mir ist klar, dass das Radio vor 1980 eingeführt wurde, in den 80ern habe ich aber erstmals mit meinem Kassettenrekorder am Radio gesessen und auf die Hitparade gewartet.)

  3. Sandra

    Genauso ist es. Ich habe auch 2 Jobs sonst könnte ich mit meinen Kindern nicht überleben und wie Du schon schreibst Ted warum sollte es den "Künstlern" anders gehen. Es ist ja eigentlich ein Job wie jeder andere. Und ich gehöre noch zu der Generation das ich mir das Album kaufe wenn es mich wirklich interessiert und ich die Gruppe gut finde!!! Kennst Du das neue Blogger-System qwer.com ? Sag mir gerne auch per email was Du davon hältst. Alles Gute und freue mich auf Antwort

  4. Renato Mitra

    @disqus_qXQ15QGC74:disqus, es stimmt schon. Die Industrie kann gut jammern. Anders gesehen, hat es in den letzten Jahren keine andere Industrie derart durchgerüttelt wegen technischen Entwicklungen wie die Musik-Branche. Wer mit Streaming deutlich mehr Geld ausgibt, als vorher, muss im Jahr weniger als 4 Alben gekauft haben. Andererseits, gibt es auch Leute mit bezahlten Spotify-Accounts, welche dann aber trotzdem kaum Musik hören. Bezüglich deiner Aussage "Weiter höre ich nun dank Streaming auch ganz andere Künstler die sonst nie einen Cent gesehen hätten wegen mir..." ist es so, dass selbst wenn du den Song 100mal hörst, es dann knapp einen Cent geben wird... Streaming kann die Lösung sein, vielleicht sind 12 oder 15 Franken im Monat aber einfach zuwenig?

  5. Renato Mitra

    Ja, das Umsystem in der Branche muss sich neu organisieren von mir aus gesehen. Ein Artist hat einen Manager, ein Label, vielleicht noch ein Mayor Label und das Label hat einen Distributor und Digital-Vertrieb. Alle genannten vor dem Artists wollen Geld... Irgendwann muss ein Künstler sich auch um Marketing und Vertrieb kümmern und nicht nur um die Musik.

  6. LBL

    Ich hätte ne tolle Geschäfts Idee, warum gibt es nicht eine Spotify DJ version. Man kann via Computer App sein Deck vorbereiten und dann mit dem CDJ's via netzwerk abrufen kann, somit muss man nicht zu viele Lieder kaufen und bracuht wenig Speicher und vorallem haben die möchte gern Dj die Liederin einem anständigen Qualität

  7. Kriz

    Hallo mal wieder die Sicht des Musikers: vor 15 Jahren konnte ich mit den Verkäufen von CDs immerhin noch die Produktionskosten decken. Heute mache ich nur noch Promoprodukte; als kleiner Fisch kann man CHF 20'000.-, die auch heute noch eine brauchbare Produktion kosten nie im Leben mehr einspielen. Schade für die Konsumenten, die nur noch die Produkte der Industrie vorgesetzt kriegen, wo ein viel grösserer Betrag in die Vermarktung als in die Produktion investiert wird. Hoffe, ich sehe Euch wenigstens mal live. Und das Statement mit dem Zweitjob finde ich total daneben. Ich übe jeden Tag 2-3 Stunden (mehr kriege ich zeitlich nicht hin), habe einen Zweitjob mit dem ich mir die Musik finanziere, was konkret bedeutet, dass ich mit Proben, Komponieren, Büro, Promo mehr als 180% arbeite und das ständig seit über 25 Jahren. Sprich: ich betreibe massiven Raubbau an meiner Gesundheit und so geht es fast allen, die ich kenne. Wenn alle denken würden wie ted, müsste ich mir morgen die Kugel geben. Und btw: ohne ein Label kommen die Leute nicht mal an Deine Gigs, weil Dich niemand kennt... Gute Nacht!

  8. Renato Mitra

    Im Endeffekt wäre Spotify-DJ eh nur für die Hobby-DJs. Die Headlines spielen zu einem grossen Teil Musik, die noch nicht erhältlich ist, oder eine Special-Edition. Wird so nicht ganz funktionieren. Aber Pioneer hat grad ein spannendes System vorgestellt: https://apfelblog.ch/kuvo-killt-shazam/

  9. Mischa

    Genau da liegt das Problem. Früher musste ich mir zum Teil zwangsläufig ein Album kaufen, obwohl ich nur einen einzigen Song besitzen wollte. Klar gab es auch die sogenanten "Single"-CD's, aber auch dort waren immer 3-10 Varianten vom gleichen Song für ca. 10 Franken drauf. In iTunes kann ich mir ein Song für ca. 2 Fr kaufen oder über Spotify genau diesen Song streamen für einen Bruchteil des Geldes. Somit gab ich früher zwangsläufig viel mehr Geld für Musik aus als heute. Da die Musikindustrie es verschlafen hatte einzelne Songs zu verkaufen, gab es dem "gratis Download" natürlich den nötigen Aufwind.

  10. ted

    ich finde es auch immer wieder lustig, wie behauptet wird, dass "illegale" Downloads der Musikindustrie schaden. Die Künstler deren Songs wohl am meisten "illegal" heruntergeladen werden, verdienen immer noch Millionen! Unbekannte/kleine Künstler betrifft das "illegale" Herunterladen nicht wirklich, da man deren Musik nur sehr schwer oder gar nicht im Internet findet. Aber eben Hauptsache man hat immer etwas zu klagen. Musik machen bedeutet eben nicht automatisch, dass man davon leben kann. Das wollen aber viele wenig bekannte Künstler nicht wahrhaben.

  11. Paddy

    Ganz so schlimm wird's ja nicht sein mit dem Business, sonst hätte Spotify kaum das OK der meisten Majors erhalten und könnte mit einem Mega-Katalog von 20 Mio Tracks bluffen. Ausserdem: Streaming mit Retail-Kauf zu vergleichen ist schon mal komplett falsch. Streaming ist eine Form des Broadcastings und muss daher mit Radio verglichen werden. Wenn man dann die Preise, die ein Radiosender pro Track zahlt mit den durchschnittlichen Zuhörern vergleicht, wird Spotify vermutlich nicht so weit daneben liegen. Die Musikindustrie beweist Dekade für Dekade, dass sie keine Innovation mag geschweige denn hervor zu bringen vermag. Wenn etwas nicht mit der Zeit geht, geht es mit der Zeit. Ist eine alte Weisheit.

  12. Kriz

    Da bin ich anderer Meinung: Streaming wird in spätestens 7 Jahren den Download komplett abgelöst haben. Der physische Besitz von Musik in welcher Form auch immer ist ein Auslaufmodell. Die Musikindustrie wird nach wie vor versuchen mit Massenprodukten den nötigen Umsatz zu generieren aber was in den nächsten Jahren komplett wegfallen wird, ist der Indiebereich und zwar in allen Stilrichtungen. Das Tonstudiosterben wird sich weiter fortsetzen, es wird nur noch Projectstudios, die die Leute aus Liebhaberei für sich selbst betreiben und ein paar wenige besser dotierte Studios geben, welche den Produzenten gehören, die direkt die Majorindustrie beliefern. Die komplette Produktionskette vom Mittelklassstudio bis zum Vertrieb wird komplett verschwinden und damit die ganze Infrastruktur, mittels derer Musik ab vom Mainstream überhaupt noch finanziert werden konnte. Das ist für uns Musiker nicht etwa Zukunftsmusik, das ist bereits jetzt Realität und wird sich in den nächsten Jahren nochmals dramatisch verschärfen. Die einzige Möglichkeit wie ich überhaupt noch an Geld kommen kann, ist über den Verkauf von Merchandisingartikeln, über Werbung, über die öffentliche Hand oder über Sponsoren. Alle drei Modelle haben mit Musik kaum mehr was zu tun und halten mich massgeblich davon ab das zu tun, was ich eigentlich am besten kann und auch will und was Ihr alle von mir wollt: nämlich vom Spielen/Komponieren/Ãœben. Streaming ist in der heutigen Form sehr wohl mit Retailkauf zu vergleichen, da ich, wenn ich den Stream selbst bestimmen kann, gar nicht mehr darauf angewiesen bin, die Musik tatsächlich zu besitzen - ich kann sie ja streamen. Meine Tochter hat bis vor einem Jahr Musik aus iTunes gekauft. Seither streamt sie über Youtube - sie hat eine App, worin sie sich die ganzen Titel organisieren kann; für sie gibt es vom Komfort her keinen Unterschied mehr und die Soundqualität ist für sie genügend. Was sie macht ist komplett legal und ich will auch niemanden dafür verdammen, dass wir soweit gekommen sind. Ich finde es aber extrem wichtig, dass Ihr alle, denen Musik etwas bedeutet Euch bewusst seid, dass wir auf eine Zeit zusteuern, wo es für 99.9% aller Musiker nicht mehr möglich sein wird, professionelle Produkte herzustellen. Die Zahlen oben sprechen Bände... Es geht hier nicht ums Musikbusiness, sondern um die Musik! Die einzigen, die dagegen was unternehmen können sind die Fans. Drum: Spendet für Eure Bands, geht an die Konzerte, kauft Merchandising, ordert Spezialausgaben, schickt Fanpost die motiviert. Wenn Ihr denkt, dass die Musiker über Downloads oder Streamingabos für ihre künstlerische Leistung auch nur annähernd sowas wie bezahlt würden, liegt ihr komplett falsch. Kuckt doch auch mal hier rein: http://lefsetz.com/wordpress/index.php/archives/2013/10/16/the-most-important-thing-you-will-read-all-day/ Grüsse Kriz

  13. Renato Mitra

    Zwischen Spotify und dem Radio sind Welten bezüglich der Auszahlung. Es kommt auf den Radio Sendern, Anteil Werbung und das Land an. Aber beim Radio gibt es Zahlungen von 2 Cent bis 1 Dollar pro Ausstrahlung. Bei Spotify waren es ja 0.0002 Dollar.

  14. Paddy

    Lies' bitte nochmals, was ich geschrieben habe. Wenn ein Radio einen Song ausstrahlt und ihn dabei 100'000 Leute hören, entspricht das demselben Vorgang, wie wenn diese 100'000 Leute für sich allein bei Spotify den Song hören würden. 1 Dollar pro Ausstrahlung und 100'000 Hörern? Man rechne...

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.