Posts tagged "Micro-USB"

Wie Weiterentwicklungen mit Standards verhindert werden.

micro-USB vs. Lightning

Keine Frage. ich verstehe das Bedürfnis nach einem einheitlichen Standard im Bezug auf Smartphone Ladegeräte. Zwar hab ich immer ein Ladekabel dabei, aber zu oft erleben ich im Umfeld, dass ich wohl der einzige mit genügen Ladekabel bin. Es ist auch kein Geheimnis, dass sich Apple mit Übergangsstücken bisher um den angestrebten Standard der EU herum drücken konnte. Nun will die EU aber Nägel mit Köpfen machen und den Standard auf 2017 festlegen. Damit wird der Endverbraucher entmündigt und die technische Weiterentwicklung gehemmt!

Zwar ist der Micro-USB-Stecker verbreitet, technisch gesehen aber sehr rückständig. Hier ein paar Vergleiche:

Design

Micro-USB vs. Lightning

 

Wie man der Grafik oben entnehmen kann, ist alleine schon das technische Design beim microUSB Stecker, bzw. auch beim Gehäuse, anfälliger auf Beschädigungen. Es kann was eingedrückt oder verbogen werden. Was beim Lightning-Stecker eher nicht der Fall sein wird. Auch Verunreinigungen lassen sich bei der Lösung von Apple einfacher beseitigen als bei microUSB. Einriesiger Vorteil von Lightning ist jedoch, egal wie man den Stecker einsteckt, es ist korrekt! Es gibt richtig oder falsch, kein oben oder unten, kein so oder so… Einfach einstecken. Fertig. Eigentlich erstaunlich wie lange die Ingenieure der Welt gebraucht haben um so einen Stecker zu erfinden!

Datentransfer

Der microUSB Anschluss hat 5 Pins. Damit lassen sich zur selben Zeit Strom und Daten durch das Kabel jagen. Heisst, ein Smartphone kann geladen und gleichzeitig synchronisiert werden. Lightning hat 8 Pins und ist damit wesentlich flexibler. Während das iPhone oder iPad geladen wird, kann das Smartphone synchronisiert werden und gleichzeitig einen Film abspielen über das Lightning-Kabel. Funktionen die besonders in Verwendung mit einem Dock gefragt und interessant sind.

Lightning

Strom

Der gewünschte Standard der EU bringt maximal 9W (1,8A bei 5V). Das mag aktuell für die Smartphone gerade noch reichen, für Tablets reicht es bereits jetzt nicht mehr! Tablet wie das iPad, aber auch von Samsung, brauchen mindestens 12W. Kein Wunder hat auch Samsung beim Galaxy Tab kein microsUSB-Stecker, sondern ein 30-Pin-Connector eingebaut.

Fazit

Es gibt auch noch heute Gründe, warum man den Lightning-Anschluss von Apple nicht mögen will. Weil man immer noch viele Geräte mit 30-Pin-Anschlüssen hat, weil man endlich ein Ladekabel für alles will, oder weil Lightning alles andere als günstig ist. Aber müssen wir uns von der EU wieder ins technische Steinzeitalter zurück boxen lassen? Insbesondere weil aktuell die Entwicklung schon wesentlich weiter ist? Das kommt mir so vor als würde die EU alle Errungenschaften im Elektro-Fahrzeug-Markt auf Eis legen und nur noch benzin-Motoren als Standard festlegen. Alles andere ist Teufelszeug. Ich bin für einen Standard, aber einen zeitgemässen! Es muss möglich sein wie bei der nano-SIM-Karte. Apple hat es vorgemacht und es wurde als Standard übernommen.

Was ist eigentlich mit dem Micro-USB-Ladegerät welches die EU fordert?

Micro-USB-Ladegerät

Mitte 2009 hatten ein paar Leute in der EU-Kommission eine, wie sie dachten, tolle Idee und haben den Smartphone Hersteller ein Ultimatum gesetzt: Man solle sich endlich auf einen Ladegerät-Anschluss für alle Smartphones einigen. Es sei schliesslich unzumutbar, dass man immer auf die Ladegeräte der Hersteller angewiesen ist daher kaum auf Ladegeräte von Kollegen mit anderen Marken zurückgreifen könne… Natürlich hat die EU damals nicht bedacht, dass es Smartphones mit unterschiedlichen Leistungen gibt und ein einheitlicher Ladegerät-Anschluss dazu führt, dass intensive Smartphones dadurch ein x-faches Ladezeit länger benötigen gegen über einem optimierten Anschluss… Lange Rede kurzer Sinn, die Hersteller Nokia, Sony Ericsson, Motorola, Apple, LG, NEC, Qualcomm, Research in Motion (RIM), Samsung und Texas Instruments haben sich gegenüber der EU bereit erklärt, Micro-USB als Standard-Anschluss für Ladegeräte vorzusehen. Es blieb ihnen auch nichts anderes übrig als sich dem Druck der EU zu beugen, ansonsten hätten die Paragraphenreiter den Standard-Anschluss bestimmt. Die lustigen Herren in der Regierung finden ihre Idee so gut, dass man noch weitere Vorteil darin sieht:

Nach Einschätzung der EU kann durch das einheitliche Ladegerät tonnenweise Elektroschrott vermieden werden. Denn Handynutzer müssen ihre alten Ladegeräte nicht mehr wegwerfen, wenn sie ein neues Telefon kaufen.

Es ist ja nicht so, dass mit jedem neuen Smartphone ein neues Ladegerät ausgeliefert werden muss, denn oft werden Geräte weiter verkauft oder Neubesitzer, ohne vorheriges Smartphone, müssten beim Kauf explizit darauf aufmerksam gemacht werden, dass nicht alles Zubehör inbegriffen ist und man eventuell noch einen Ladeadapter dazu kaufen muss…

Mitte 2011 hat Apple der EU ein Schnippchen geschlagen und einen kostenpflichtigen Adapter (Apple iPhone Micro USB Adapter) veröffentlicht welcher vom geforderten Micro-USB-Stecker zum Apple Dock Connector überleitet. Damit hat sich Apple möglichst der EU genähert und geht auch nicht weiter, wie Georg Albrecht, der Mediensprecher von Apple Deutschland, gegenüber dem Handelsblatt-Online-Partner Golem.de aussagt:

Wie wir bereits in der Vergangenheit erklärt haben, bleiben wir dem Apple-Dock-Connector verpflichtet und diese Initiative wird es nicht erfordern, das zu verändern. Das Memorandum gibt Herstellern die Möglichkeit, einen Adapter zur Verbindung mit dem Universalladegerät anzubieten.

Bei Apple ist der Dock Connector auch wesentlich mehr als nur ein Anschluss zum aufladen. Über den Dock Connector werden Geräte gesteuert, oder Boxen mit Musik versorgt, Filme abgespielt, das Smartphone synchronisiert und Fotos ausgetauscht… Eine ganze Industrie von Dritthersteller ist darauf angewiesen, dass der Dock Connector noch möglichst lange so wie bisher funktioniert. Und die EU scheint sich mit dem Adapter auch zu frieden zu geben… Zumindest wurde von der EU seit der Vorstellung eines einheitlichen Micro-USB-Ladegeräts im Februar 2011 nichts mehr bezüglich dieser Problematik kommuniziert. Vielleicht liegt es auch daran, dass die EU inzwischen richtige Probleme zum lösen hat…

Im übrigen endet die Absichtserklärung, inzwischen von insgesamt 14 Smartphone-Hersteller unterzeichnet, am 31. Dezember 2012. Wie es dann weiter geht, das steht noch in den Sternen… Meiner Meinung nach ist es aber unnötig, dass sich die Politik in die technologische Weiterentwicklung einmischt. Neue, bessere Lösungen werden mit solchen Gesetzen nur verhindert!