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Beta bedeutet nicht fertig und gehört nicht ausgeliefert!

Im Buch „Was würde Apple tun?“ bin ich auf das Kapitel „Nutzer sind keine Erfinder“ gestossen. Der Autor Dirk Beckmann stellt darin das sogenannte Crowdsourcing in Frage. Er schlägt sich auf die Seite von Nicolas Carr und befindet das Web 2.0 auch als eine „Diktatur der Amateure“… Nun, das kann kam sehen wie man will. Natürlich ist nicht jeder Internet-Nutzer automatisch ein Ingenieur und kann etwas erfinden oder gar entwickeln. Aber verschiedene Projekte haben schon gezeigt, dass aus der Masse der Amateure gute Inputs gekommen sind beim verbessern von Produkten, bei denen die Profi-Ingenieure einfach Betriebsblind waren. Gar haben dank dem Internet verschiedene Erfinder auch schon die Finanzierung über die Amateure sichern können wie bei Kickstarter.

Was mich an dem Kapitel viel mehr stört, ist wie Herr Beckmann mit dem Begriff „Beta“ umgeht. Liesst man sein Kapitel, so könnte man meinen, Beta gibt es erst seit Web 2.0 und Google:

Trotzdem führen beispielsweise viele Internetseiten das Wort Beta im Logo um deutlich zu machen, dass sich die Webseite noch im Aufbau befindet. Und um dem Nutzer zu signalisieren, dass er mithelfen kann, alles besser zu machen. Das Web 2.0 ist voll von solchen Seiten…
Zahlende Kunden erwarten Produkte von höchster Qualität, die man liefern sollte, will man digitale Umsätze machen.

Abgesehen von der Tatsache, dass Beta-Version eine gängige Bezeichnung in der Software Entwicklung ist und noch weit vor Web 2.0 benutzt wurde, glaube ich, dass Herr Beckmann, auch in der zweiten Auflage von 2011, eine entscheidende Sache vergessen hat: Auch Apple hat Beta-Produkte… Hier zwei aktuelle Beispiele:

iWork.com
iWork.com

Das wohl älteste Beispiel ist iWork.com. Jeder iWork-Benutzer kann seit 2009 den Online-Dienst nutzen. Und seit 2009 steht oberhalb des Logos „Beta“! Seit bald einmal drei Jahren ist iWork also in der Beta-Version. Noch länger war Flickr als Beta unterwegs. Zeitweise sogar noch als Gamma. Obwohl das der nächste Buchstabe nach Beta ist, wird diese Bezeichnung jedoch in der Software Entwicklung nie verwendet.

Doch damit nicht genug. Das wohl berühmteste Beispiel eines Apple-Services in der Beta-Version ist wohl…

Siri
Siri BetaJa, Siri, die berühmte iPhone-Assistentin ist seit Beginn in der Beta-Version auf allen verkauften iPhones 4S installiert. Bei Siri gibt es aber nicht einmal die Möglichkeit, dass der Benutzer auf freiwilliger, aktiver Basis Verbesserungsvorschläge einsenden könnte. Ich gehe mal davon aus, dass Fehlfunktionen eh auf irgend eine Art und Weise nach Cupertino gelangen, als kann Apple darauf verzichten. Und Vorschläge will man wohl einfach keine hören. Denn wie sagt einst Henry Ford so schön:

Wenn ich meine Kunden gefragt hätte, was sie wollen, hätte ich schnellere Pferde entwickeln müssen, keine Autos.

Gibt es noch mehr Beta-Produkte von Apple?
Ja, die gibt es. Aber da macht es Apple wie man es als Software-Entwickler eben machen müsste. Eine Beta-Version muss man nicht allen Benutzern zur Verfügung stellen. Es genügt wenn das ein paar ausgewählte Entwickler tun. Wie bei der Beta-Version von iCloud, oder die vorgängigen iOS Versionen, welche nur an registrierte Entwickler und deren iOS-Geräte verteilt werden. Ähnlicher Meinung sind übrigens auch andere Menschen.

Für meinen Geschmack schiesst Dirk Beckmann etwas zu oft gegen den Internet-Gedanken, insbesondere gegen seinen Berufskollegen Jeff Jarvis, obwohl er ihm quasi den Buchtitel geklaut hat: „Was würde Google tun?„. Aber vielleicht versucht er sich auch verzweifelt von dessen Werk zu distanzieren und preist das pure Gegenteil in seinem Buch an. Denn gemäss Herr Beckmann ist kostenlos nichts wert. Dann frage ich mich, warum Apple die zukünftigen Mac OS X Updates ALLE kostenlos anbieten will? Oder lassen sich mit kostenlosen Diensten eventuell doch Geld verdienen?

Mein Wunsch an Apple
Es wird immer wieder geklagt, dass die viel beschworene Qualität von Apple nicht mehr das selbe ist wie früher. Mag sein, aber ob es an minderer Qualität liegt im direkten Vergleich zu früher, an den neuen Technologien oder der Tatsache, dass immer mehr Menschen Apple Produkte, vielleicht auch nicht immer sachgemäss, benutzen, dass zu bestimmen wird sicher schwierig. So oder so wünsche ich mir mehr Qualität. Ein iOS sollte lieber gut getestet auf den Markt, als dass man nach zwei Wochen schon ein Update hinter her werfen muss. Das alleine könnte schon ein tolles Unterscheidungsmerkmal von Apple gegenüber den anderen Hersteller und Entwickler werden.