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Kickstarter – Es ist nicht alles Gold was glänzt!

Kickstarter

Schon oft habe ich euch von Produktentwicklungen berichtet, welche ihren Ursprung in der Community Kickstarter hatten. Eigentlich eine gute Idee. Findige Tüftler aus Amerika stellen ihre Ideen und Prototypen for uns bekommen aus der Community die finanzielle Unterstützung um das Produkt in die Serien-Produktion zu geben.

Leider kann es aber auch anders kommen. Glenn, ein ApfelBlog.ch Leser, hat im letzten Sommer das vielversprechende Projekt „ZionEyez“ unterstützt. Es handelt sich hierbei um eine optisch schlichte Brille mit Videokamera und Bluetooth-Anbindung. Wer $150 investierte, durfte dann eine der Brillen entgegen nehmen. Eigentlich klingt alles wie sonst bei Kickstarter. Das Projekt war auch recht beliebt und man hat die angestrebte finanzielle Unterstützung von 55’000 US-Dollar weit überschritten und den saftigen Betrag von 343’415 US-Dollar erhalten. Dank der Community welche an das Projekt glaubte…

Das Projekt sorgte auch dafür, dass Tech-Blogs in Amerika und England über die Brille schrieben und die Macher interviewt wurden. Diverse Videos unterstützten das ganze und Glenn glaubte weiterhin an den Erfolg. Doch gegen Ende Jahr wurde es aussergewöhnlich still um das Projekt. Über den Verlauf des Projektes wurde nicht berichtet und es wurde auch nicht mitgeteilt, wann man ungefähr  mit der Auslieferung beginnen könnte… Dann aber kam die Meldung von den ZionEyez-Machern, dass man noch etwas mehr Geld von Investoren abwarten möchte und dann mit vollem Elan an die Produktion gehen werde.

Im Januar dann wurde von William „Bill“ Walker die Website www.zionkick.com aufgeschaltet. Ein Blog für Kickstarters die bezahlt haben und bis heute auf die Brille warten… Laut den Recherchen von Bill gibt es nicht einmal einen fertigen Prototypen der Brille. Das Techblog singularityhub.com berichtete im August:

Wait, seriously? You don’t even have a prototype yet? Not even a sloppy prototype? You’re just showing me a bunch of parts and telling me you’re going to make magic with them. WTF?

Seitens Kickstarter wurden die Geldgeber alle abgewimmelt, denn für Kickstarter ist der geschäftliche Teil abgeschlossen, denn die Finanztransaktion der Benutzer zu den Machern abgeschlossen ist. Kickstarter selber darf 5% der tatsächlichen Finanzierung für den Vermittlungsdienst behalten, in diesem Fall also über 10’300 Dollar. Leider können auch die Banken nichts mehr tun, denn sechs Monaten nach der Transaktion können keine Gelder mehr rückvergütet werden.

Doch einige aus der Community haben die Geduld verloren… Weil auf Kickstarter der Austausch unter den Geldgebern, sogenannten „Backers“ nur schwer machbar ist, wurde neben dem Blog von Bill, zusammen mit Glenn auch ein Forum unter www.zionkick-forum.com aufgeschaltet in welches man nur ganz kontrolliert nachweisliche Backers von ZionEyez zulässt. In dem Forum sammeln die Geldgeber, rund 2106 Personen aus aller Welt, Informationen über das ZionEyez Team und organisieren sich für das weitere Vorgehen. So konnten auch Quellen aus dem Umfeld der mutmasslichen Betrüger gewonnen werden, welche unglaubliches an den Tag bringen. Angeblich soll das Geld für Partys in Mexico und Drogen verschwendet worden sein…

Mittlerweile ist einiges an Informationen zusammengekommen, so dass man die rechtlichen Schritte nun einleiten kann. Entsprechend werden in Amerika nun Anwälte gesucht und auf das Team ZionEyez gehetzt.

Mein Fazit
Grundsätzlich ist Kickstarter eine gute Sache für kluge Erfinder, welche kurzfristig Kapital brauchen für ein gutes Projekt. Die Betonung liegt bei „gutes Projekt“! Denn längst nicht alle Projekte werden finanziert. 56% aller Projekte bringen nicht genügen Geldgeber zusammen. 9 von den 10 abgesagten Projekten bringen es noch nicht einmal auf 30% der geforderten Gelder… Damit man eben Erfolg hat, braucht es eine sehr gute Idee und die Beweise warum die Idee so gut funktionieren soll. Rückwirkend kann man sagen, das Video von ZionEyez wurde gut gemacht, aber tatsächliche wurden die verbauten Teile nie in der Brille gezeigt…

Ich bin allerdings erstaunt, dass Kickstarter sich so früh aus dem Vermittlungsprozess verabschiedet. Hat die Partei der Geldgeber die Pflicht erfüllt ist fertig. Die Pflicht der Geldempfänger, entsprechende Produkte auszuliefern, wird aber von Kickstarter nicht verlangt oder geprüft. Sollte sich da nichts ändern, könnten demnächst noch mehr Betrüger auf diese Masche aufspringen und Kickstarter würde sich selber zu Grabe tragen…