iPod Shuffle: Versicherung fördert Produktfälschung?

ipod-faelschung

Bildquelle: Berner Zeitung (Susanne Keller und zvg)

Man könnte doch meinen, dass man bei Schweizer Versicherungen auf Werte und Qualität setzen kann. Das Gegenteil beweist die Schweizer Versicherung Die Mobiliar. Die Versicherung hat am Swiss Economic Forum einen MP3 Player als Werbegeschenk an die rund 1200 Teilnehmer verteilt. Wie das Bild oben zeigt, hat der MP3 Player unverkennbare Ähnlichkeiten mit dem iPod shuffle von Apple.

Die Berner Zeitung schreibt dazu:

Am Swiss Economic Forum (SEF) von vergangener Woche überraschte die Mobiliar Versicherung die rund 1200 Gäste mit einem Werbegeschenk in Form eines MP3-Abspielgeräts. Keine Freude an dieser Aktion hatte Apple-Schweiz-Chef Adrian Schmucki, der selber am SEF war. Er sieht im Gerät eine Fälschung eines Apple-Produkts und kündigte an, rechtlich gegen die Mobiliar vorgehen zu wollen (Ausgabe vom Samstag). Wie Apple-Sprecherin Andrea Brack gestern auf Anfrage sagte, überprüfe die Rechtsabteilung derzeit den Sachverhalt.

Sehr dreist an der Sache, Adrian Schmucki, der Chef von Apple Schweiz war ebenfalls an der SEF und wurde von vielen Teilnehmer gefragt, ob der MP3 Player mit iTunes funktioniert. Dabei beinhaltet die Billig-Version noch nicht einmal die Shuffle Funktion, was ja eigentlich typisch für den iPod shuffle wäre…

Wenn bereits grosse Versicherungen Produktpiraterie öffentlich fördert, wie soll man dann vom kleinen Bürger verlangen, alle Gesetzte und Copyrights einzuhalten? Für mich persönlich ist das ein Armutszeugnis für eine Versicherung. Der Lieferant für die MP3 Player soll übrigens auch eine Schweizer Firma sein. Ich bin gespannt ob es zu Anklagen kommt…

Herzlichen Dank an Rouge für den Hinweis!

Update 20.05.2009
Die Versicherung Die Mobiliar hat eingelenkt und bietet allen Beschenkten die Möglichkeit, den gefälschten iPod shuffle gegen einen echten iPod shuffle aus dem Hause Apple einzutauschen. Wie man in der Pressemitteilung vermerkt:

Die Mobiliar unterstreicht damit zusammen mit Apple Schweiz, dass der Schutz der Marke und des Originals im globalisierten Umfeld eine wichtige Bedeutung hat.

Da hätte man auch vorher drauf kommen können! Danke für die zahlreichen Hinweise zum Umtauschangebot.

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  • Billigst, zahlbare Werbegeschenke kommen eh aus Fernost. Hier gibt’s genügend Importeure dafür. Schade, dass gerade eine genossenschaftlich orientierte Schweizer Versicherungsgesellschaft kein gutes Vorbild darstellt.

    Alle Verträge bei der Mobi kündigen und zu mir kommen. Via Twitter Kontaktaufnahme = Twitter-Spezialkondition :-)

  • o m g !
    so was ist ja oberpeinlich für die versicherung und eine schande für die versicherung, so was überhaupt zu verteilen. dass das eine fälschung ist, sieht man ja von 100m gegen den wind!

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  • Urs

    Das ist ja echt beknackt. Wäre ich bei der Mobiliar, währe das fast ein Grund zum wechseln.

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  • rouge

    das hat man davon wenn man den marketingleuten das buget zusammenstreicht ;-) aber wirklich oberdumm ist es die dinger noch an einer veranstaltung zu verteilen an dem der chef von apple anwesend ist. ob sie dem auvh noch einen dieser kopien in die finger gedrückt haben? mit einem freundlichen lächeln versteht sich.

    @renato: danke für die verlinkung .

  • jc_cooper

    Der Uni-Balgrist ZH hat an Weihnachten 08, allen seinen Mittarbeitern der selbe Mist geschenkt. Inkl. Aufschrift Uni-Spital. … :-)

  • Oli

    Faux pas. Mehr aber auch nicht.

  • Naja, man wollte halt allen 1200 was schenken, so wie es aussieht.
    1200×119=lockere 150k.
    Da hat man wohl trocken geschluckt und was billigeres gesucht – und gefunden.
    Nur leider kann man halt auch zu viel sparen ;-)
    Ouch.

    Die Alternative wäre die Verlosung von 3 iPod Touch(es) und/oder 3 iPhones sowie 1190+ 10 CHF iTunes Gutscheinen gewesen.
    Weil man aber in der Schweiz so auf Ausgleich bedacht ist, hat man lieber allen was Schlechtes geschenkt, als nur fast allen ;-)

  • Martin Thomas

    @Renato

    Obschon ich dir wirklich gerne in einigen im Blogpost erwähnten Punkte beipflichten wollte, bin ich aufgrund der nachfolgend angeführten Tatsache doch schon etwas enttäuscht:

    Es ist davon auszugehen, dass weder du (noch div. der obigen Kommentatoren) einen jener portablen ‚Mobiliar-Branded‘-Musikabspielgeräte bereits selbst genügend ausführlich testen konnten, um ein faire Beurteilung über die Qualität jener abzugeben.

    Genauso wahrscheindlich ist es, dass weder du, noch die anderen, vorgängig genannten Personen, verlässliche Informationen über die effektiven Kosten des besagten Werbegeschenks der ‚Mobiliar‘ (noch denjenigen des Apple-Pendant) besitzen.

    Sollte meine soeben angeführten beiden Annahmen zutreffen, erachte ich es als absolut anmassend, beschämend und reichlich deplaziert derartig kraftvolle und unqualifizierte Aussagen, wie sie teils im obigen Artikel getroffen werden, aufgrund der alleinigen Lektüre eines Zeitungsartikels zu treffen.

    In den meisten übrigen Belagen hingegen stimme ich dir hingegen, wie eingangs erwähnt, gerne zu. Vielleicht werden wir ja zu einem späteren Zeitpunkt noch zu hören bekommen, ob rechtliche Schritte aufgrund des geschilderten Vorfalls ergriffen wurden und zu welchen Ergebnissen jene ggf. geführt haben.

    Last but not least: Wer weiss… vielleicht wollte die gute ‚Mobiliar‘ ja ursprünglich bei Apple bestellen und die Anfrage blieb unbeantwortet? Vielleicht ist sich Apple auch bei 1200 Stück noch zu bequem ein Antwortschreiben aufzusetzten? Wir wissen’s (momentan zumindest) wohl beide nicht mit Sicherheit, oder?

    …Im Rahmen einer Mitarbeiter-Aktion durfte ich ein paar Offerten einholen für ein Geschenk an rund 480 Personen. Unter anderem war natürlich auch die Idee da, einen iPod shuffle an die Belegschaft zu schenken. Schliesslich wirbt Apple ja für Firmengeschenke im Apple Online Store mit einer eigenen Informationsseite. Also habe ich schnell die Kontaktseite aufgerufen und alle Detailinformationen abgefüllt […] Tja, was soll ich sagen. Mittlerweile sind rund drei Wochen vergangen und weder ein Mitarbeiter hat mir Kontakt aufgenommen, noch habe ich sonst eine E-Mail oder eine Offerte erhalten. Ist Apple nicht daran interessiert 480 iPod shuffle auf einmal zu verkaufen? Sind 480 Stück zu wenig? Wie dem auch sei, mitterlweile haben wir uns für ein anderes Geschenk entschieden und bereits bestellt, denn die andere Firma hat innert wenigen Stunden mit einer ausführlichen Offerte geantwortet…

    Source: Apfelblog.ch ‚Apple ist nicht an Grossbestellungen interessiert‘, 10.12.2008

  • @MT: Interessante Aussage, wenn eine Firma auf eine Anfrage nicht antwortet, ist das ein Freipass um Produktfälschungen zu verteilen? Das ist nicht Dein ernst oder?
    Ich hab damals einfach ein anderes echtes „Swiss Made“ Produkt gewählt, nämlich eine Schweizer Uhr! Und kein nachgeahmter MP3 Player aus China…

  • Jonas

    Oy, oy, oy.. Hier wird ja mal wieder mit Spatzen auf Kanonen geschossen. Oder war’s umgekehrt? Wie auch immer, ich glaube die ganze Sache wird unnötig aufgebauscht, angefangen bei den Zeitungen und weitergetragen durch den Blog. Wahrscheinlich durch die gut geschmierte Apple-PR-Maschinerie.

    Ich denke, es lief in etwa so ab:
    Chef Mobi: Hey, wir sollten beim Event ein cooles Giveaway haben.
    Marketingtyp: Ja, genau. Wie wäre es mit einem MP3 Player? Das ist trendy!
    Chef Mobi: Ach, sind die nicht teuer?
    Marketingtyp: Schon, aber es gibt auch viele günstige Hersteller. Schauen Sie hier (Katalog von Werbegeschenkehänder *blätter-blätter*), die kosten nur wenige Franken.
    Chef Mobi: Das da sieht ja hübsch aus. Können wir das auch mit unserem Logo bedrucken?
    Marketingtyp: Klar, Chef. Ich leite das in die Wege.
    Chef Mobi: Danke, abtreten.

  • Freak

    Naja, in manchen Punkten stimme ich Martin Thomas zu. Aber, aufgrund der ähnlichkeit und grösse kann das schon ein Problem darstellen. Patentrechte….

    Ich glaub auch, dass das ziemlich nervend für den Applevertreter war, von jedem angequascht zu werden, ob das mit iTunes kompatibel ist. Wahrscheinlich wars dann ebenso beschämend, von der Mobiliar „nur“ so ein Duplikat zu erhalten.

    Wie’s weiter geht interessiert mich auf jeden Fall.

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  • Martin Thomas

    @Renato

    Vorweggenommen zu deiner Frage (um allfällige Missverständnisse gleich zu klären): Nein, eine solche Implikation aufgrund meines vorgängigen Kommentars zu treffen wäre gänzlich unglücklich und würde meiner obigen Stellungnahme wohl auch nicht gerade gerecht werden ;-)

    Ich stelle mich lediglich auf den Standpunkt, dass man ohne genaue Kenntnis der Sachlage nicht voreilig Schlüsse ziehe sollte: Dies, und allein dies, sollte auch der Exkurs zur Apfelblog-Story vom Dez. 2008 zeigen (sozusagen ein simples ‚we don’t know yet what happened‘). Eine systematische Vorverurteilung ohne Faktenkenntnis hingegen stütze ich nicht und halte ich für höchst tendenziös und unseriös. Insbesondere, aber nicht ausschliesslich betrifft dies die folgenden Punkte:

    1) Du kennst die Qualität des ‚Mobiliar‘-Geräts (noch) nicht, weshalb dir eine Beurteilung/Vorverurteilung dessen (momentan) nicht zustehen sollte.

    2) Du kennst die effektiven Kosten für das ‚Mobiliar‘-Geräts nicht, weshalb sich momentan ungestützte Aussagen hinsichtlich jener ebenfalls schwer halten lassen.

    3) Verallgemeinerte, mit einer Wertung angehauchten Aussagen über Produktgüter aus bestimmten Regionen finde ich nicht tragbar (exemplarisch die ‚billigst, zahlbaren Werbegeschenke aus Fernost‘)

    4) Das pauschalisierende, mit ebenfalls oft wertend-klingende Suggerieren einer stetigen und unumstösslichen Linearität vom Endpreis und Qualität eines Produkts finde ich nicht richtig.

    Hinsichtlich jurstischen Konklusionen halte ich mich vorest mal vornehm zurück – wir werden (evt.) ja sehen/hören ob die Story rechtliche Schritte einer Partei nach sich ziehen wird und welches Ende ggf. solch eingeleitete Schritte finden werden.

    …und im übrigen darf ich dich daran erinnern dass ich dir ja in verschiedensten Punkten beipflichten wollte ;-) *g*

    Somit Grüsse =)
    MT

  • marc69

    @Martin Thomas
    Wer den ganzen Artikel in der BZ gelesen hat, stellt fest dass niemand den Funktionsumfang oder die Qualität des Plagiates in Frage stellt (obwohl diese in keiner Weise an das Original herranreichen), sondern hierbei geht es um Produktepiraterie, auch wenn das Apple-Logo fehlt. Und dabei wird eben den Beschenkten vorgegaukelt, sie bekämen einen iPod Shuffle. Und wenn dies von einer renomierten schweizerischen Versicherungsgesellschaft mitgetragen wird, finde auch ich das etwas bedenklich.
    Im übrigen hat Andrea Brack bestätigt, dass auch Apple für das Werbegeschenk der Mobiliar eine Offerte unterbreitet hat, da liegt der Verdacht nahe, dass die Plagiate erheblich günstiger zu erstehen waren.

  • Oli

    Laut UWG Art. 3 handelt unlauter, wer Massnahmen trifft, die geeignet sind Verwechslung mit den Waren, Werken, Leistungen oder Geschäftsbetrieb eines anderen herbeizuführen.

    Ausnahmen wären erlaubt wenn es technisch nicht anders möglich wäre (Hier wohl kaum gegeben)

    Wenn es ästhätisch schon fast vom Markt verlangt wird weil es ein Modetrend geworden ist. (Apple Produkte sind schon richtige Trendsetter, aber dieser Punkt wird nicht so stark gewichtet).

    Man kann sich Fragen ob das Mobilliar Logo auf dem MP3 Player und der Umstand dass der Player nicht quer sondern im Hochformat „gebaut“ ist einen genügend grossen Effort darstellen um einer Verwechslung vorzubeugen.

    Sieht aber gut aus für Apple….

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  • marc69

    @Martin Thomas

    Ach ja, wir befinden uns hier in einem privaten Blog von Renato in dem er vor allem seine Leidenschaft gegenüber Apple kund tut, und dies, wie ich finde hervorragend, wenn auch nicht immer fundiert recherchiert. Aber das wäre dann doch ein bisschen viel verlangt.
    Wäre dies hier ein Anwalts-Blog für Anwälte und solche die es werden wollen, wäre deine Kritik sogar angebracht.

  • Martin Thomas

    @marc69

    Wer […] gelesen hat, stellt fest dass niemand den Funktionsumfang oder die Qualität des Plagiates in Frage stellt (obwohl diese in keiner Weise an das Original herranreichen)…

    1. Gänzlich unbeachtet was du liest, wirst du nie die Meinung aller Individuen darin repräsentieren können ;-) *g*

    2. Das Apfelblog, div. Kommentatoren sowie letztendlich auch du (gerade eben mit der eingeklammerten Bemerkung), haben eine qualitative Wertung des Produkts vorgenommen – du wiedersprichst dir also indirekt selbst, nicht?

    …sondern hierbei geht es um Produktepiraterie, auch wenn das Apple-Logo fehlt. Und dabei wird eben den Beschenkten vorgegaukelt, sie bekämen einen iPod Shuffle. Und wenn dies von einer renomierten schweizerischen Versicherungsgesellschaft mitgetragen wird, finde auch ich das etwas bedenklich.

    Was an der Story rechtlich relevant ist und ob aufgrund bestimmter Ereignisse rechtliche Wege beschritten werden werden wir sehen. Ich nenne nur niemanden ‚Produktpirat‘ solange er noch nicht aufgrund ‚bestimmter Delikte‘ verurteilt wurde.

    Im übrigen hat Andrea Brack bestätigt, dass auch Apple für das Werbegeschenk der Mobiliar eine Offerte unterbreitet hat.

    Oha… das ist hingegen in der Tat ‚News‘ ;-) Von wo hast du die Information?

    Gruss,
    MT

  • marc69

    @MT

    Steht im abgedruckten Artikel in der Zeitung, hab den schliesslich ganz aufmerksam durchgelesen.
    Ich will ja auch eigentlich gar niemanden vorverurteilen, finde nur, dass wir es hier im Apfelblog mit den rechtlichen Details nicht auf die Spitze treiben sollten.
    Obwohl ich Deine, immer rechtlich fundierten, Kommentare immer wieder genüsslich lese.

    Gruss, Marc

  • Auweia,

    dass so etwas in Mitteleuropa passiert ist wirklich krass. Traurig, wenn man da vermutet ungeschoren davon zu kommen.

  • Anonymusersympathisant

    Ich würde mich freuen, wenn ein Unternehmen MP3-Player verschenkt. Und das in momentanen Zeiten 1200 iPod Shuffles verschenkt werden ist ja wohl mehr als unangebracht. Jedoch tut das nichts zur Sache das Renatos voreilige Fanboyschlüsse total unangebracht sind.

  • Martin Thomas

    @Oli

    Ohne vollständige und detailierte Faktenkenntnisse bevorzuge ich keine Konklusionen juristischer Art zu ziehen (dazu gehört auch, dass ich mich nicht zu allfälligen Erfolgsaussichten in einer Sache äussern wollte :-)

    @marc69

    Ich habe wahrscheindlich nur ‚Tomaten vor den Augen‘ ;-) …aber ich sehe die Stelle wirklich nicht, welche konkret aussagen soll, dass vorgängig Apple eine Anfrage seitens der Mobiliar hinsichtlich des Werbegeschenks bereits beantwortet haben sollte?

    Apples Klage gegen die Mobiliar hat wenig Chancen

    Jon Mettler (© Tamedia AG), vom 19.05.2009

    http://www.bernerzeitung.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Apples-Klage-gegen-Mobiliar-hat-wenig-Chancen/story/17100386

    Weil die Mobiliar am Swiss Economic Forum ein Werbegeschenk verteilt hat, das stark dem iPod Shuffle ähnelt, will Apple rechtlich gegen den Versicherer vorgehen. Dies dürfte jedoch wenig aussichtsreich sein, meinen Rechtsexperten.

    Am Swiss Economic Forum (SEF) von vergangener Woche überraschte die Mobiliar Versicherung die rund 1200 Gäste mit einem Werbegeschenk in Form eines MP3-Abspielgeräts. Keine Freude an dieser Ak-tion hatte Apple-Schweiz-Chef Adrian Schmucki, der selber am SEF war. Er sieht im Gerät eine Fälschung eines Apple-Produkts und kündigte an, rechtlich gegen die Mobiliar vorgehen zu wollen (Ausgabe vom Samstag). Wie Apple-Sprecherin Andrea Brack gestern auf Anfrage sagte, überprüfe die Rechtsabteilung derzeit den Sachverhalt.

    Keine Shuffle-Funktion

    In der Tat gleicht das Werbegeschenk der Mobiliar stark der zweiten Generation des iPod Shuffle. Einen wichtigen Unterschied neben Farbgebung und Speicherplatz gibt es allerdings: Das Gerät, welches die Mobiliar bei einem Schweizer Lieferanten bezogen hat, verfügt über keine Zufallswiedergabefunktion.

    Im Gespräch mit dieser Zeitung sagte der Berner Wirtschaftsrechtsprofessor Peter V. Kunz, dass es für Apple schwierig sein werde, rechtlich gegen die Mobiliar vorzugehen. Der Computerhersteller könne auf juristischem Wege einzig die Herausgabe überschüssiger MP3-Abspielgeräte verlangen sowie die Mobiliar verpflichten, den Namen des Lieferanten zu nennen. Als Verteiler der Produkte könne die Versicherung mit Hauptsitz in Bern nicht belangt werden.

    «Apple kann höchstens gegen den Schweizer Lieferanten oder gegen den Hersteller erfolgreich klagen», sagte Kunz. Möglich sei sowohl der strafrechtliche wie auch der zivilrechtliche Weg. Geht es um mutmassliche Fälschungen, kann ein Markenhersteller auf vier Ebenen juristisch vorgehen:

    Beim Urheberrecht geht es darum, ob ein Nichtberechtigter unerlaubt die Leistung eines Dritten übernommen hat.

    Beim Patentrecht kann der Hersteller geltend machen, die Fälschung verwende eine nichtlizenzierte Technik oder Technologie.

    «Beim Markenrecht steht die Frage im Vordergrund, ob beim Publikum der Eindruck entsteht, dass ein Produkt eine bestimmte Herkunft hat», sagt Kunz.

    Beim Design schliesslich geht es darum, ob Form und Gestaltung des Originals kopiert wurde. Die vier beschriebenen Facetten fallen unter den Oberbegriff «Immaterialgüterrecht».

    «Ich könnte mir vorstellen, dass Apple vor allem das Markenrecht am Herzen liegt», erklärte Kunz. «Die Firma stört sich wahrscheinlich daran, dass bei 1200 Menschen fälschlicherweise der Eindruck entstanden ist, es handle sich beim Werbegeschenk um ein Apple-Produkt.» Aussagen von Apple-Sprecherin Brack stützen diese Vermutung: «Der Apple-Schweiz-Chef ist am SEF von vielen Teilnehmern gefragt worden, ob der MP3-Player mit iTunes funktioniere.» iTunes ist das Computerprogramm, mit dem die Musikstücke, Filme und Bilder auf dem iPod verwaltet werden.

    Unterschiedliche Strafen

    Die Strafen, die ein Gericht wegen Fälschung aussprechen kann, sind unterschiedlich. Auf strafrechtlicher Ebene sind Bussen und Freiheitsentzug möglich. Zivilrechtlich kann das Gericht verfügen, dass die geschädigte Firma Schadenersatz erhält. Sogar das Verwaltungsgericht kann angerufen werden mit der Bitte, verdächtige Produkte beschlagnahmen zu lassen.

    Wie aussichtsreich eine mögliche Klage von Apple gegen den Schweizer Lieferanten des Werbegeschenks ist, ist indes schwer zu sagen. Der Lieferant kann sich auf den Standpunkt stellen, das von ihm gelieferte Produkte unterscheide sich vom Original – fehlende Shuffle-Funktion und nicht vorhandene Kompatibilität mit iTunes lauten die Stichworte. «Das Immaterialgüterrecht ist nicht ausufernd», sagte dazu Kunz. «Ist beispielsweise ein Patent für ein MP3-Player mit einem Gigabyte-Speicher hinterlegt, gilt dasselbe Patent nicht für Produkte mit zwei Gigabyte.»

    Bei Apple stört man sich vor allem daran, dass die Mobiliar nicht das Original als Werbegeschenk verteilt hat. Apple bietet ein entsprechendes Programm an. Die Mobiliar hielt sich gestern bedeckt: «Wir wollen niemandem schaden», sagte Kommunikationschef Peter Marthaler einzig.

  • Pascal Holliger

    Stellungsnahme der Mobiliar nicht vergessen! Man hat sich darauf geeinigt alle Geräte in Original Apple Produkte umzutauschen!

    Link: http://www.mobi.ch/mobiliar/live/die-mobiliar/news/news-aktuell/mobiliar-und-apple-unterstuetzen-das-original_de.html

  • Oli

    @ MT
    Wie du in meinem Post sicher schon bemerkt hast habe ich nur die Ebene des UWG angeschnitten und meine Gedanken dazu geäussert, ohne irgendwelche schlussendliche juristische Konklusionen zu ziehen.

    Würde die beiden Produkte jetzt gerne in der Hand halten, um die vergleichen zu können. Sind Grösse und sonstige Merkmale denn wirklich identisch?

    Gibt ja ausserdem genügend Leute welchen man irgend einen Mp3 Player in die Hand drücken kann und die dann meinen das es ein iPod ist (so erlebt…).

  • marc69

    @MT
    Irgendwie war der abgedruckte Artikel in der BZ länger, hab die Zeitung aber nicht mehr. Vielleicht habe ich aber auch nur Äpfel auf den Augen gehabt.
    Interessant ist aber die Stellungnahme von der Mobiliar. Man scheint da doch irgendwelchen Rechtsstreitigkeiten mit Apple aus dem Weg gehen zu wollen.

  • Martin Thomas

    @Pascal Hollinger

    Göttlich =) Danke das du diese Info mit uns teilst…

    @all

    Für mich zeigt dies zumindest einmal mehr, dass man nicht ‚auf Vorrat‘ Verurteilungen aussprechen sollte ;-) *g*…mal schauen ob die Sache damit für alle beteiligten Unternehmen ‚gegessen‘ wäre oder ob da noch was nachgeschoben kommt :)

  • Jonas

    Interessant, dass jetzt den Käufern von imitierten Produkten mit rechtlichen Schritten gedroht wird, statt den Produzenten.

    Das heisst also, wenn ich für meine Kunden Werbegeschenke kaufen will, dann muss ich zuerst den Weltmarkt eingetragener Produkte studieren? Das kann ja nicht ernst gemeint sein. Mit welcher Anklage sollte Apple denn drohen? Fehlgriff beim der Produktewahl??

    Meine Einschätzung:
    Die Mobiliar befürchtet allerhöchstens einen Imageschaden und alle Schritte Richtung MP3-Player ersetzen etc. dient der Wiederherstellung. Mehr nicht.

  • Lu

    Habe auch so einen „iPod Shuffle“ nur von der Bank Raiffeisen
    steht einfach hinten Raifeissen darauf :P

  • Am Anfang hab ich mich wirklich gefragt, ob Apple da nict übertreibt. Aber das Design ist einfach viel zu ähnlich. auch wenn die typische Shuffle-Funktion fehlt, ist es doch sehr schnell mit dem kleinen Shuffle zu verwechseln. Aber Glück für die Kunden jetzt! :D

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  • Martin Thomas

    @Oli

    Ja, wäre sicher ganz lustig (gewesen) ein wenig mit einer solchen ‚Mobiliar-Ausgabe‘ etwas herumzuspielen und diese zu testen – mir steht (leider) keine zu Verfügung :-)

    @marc69

    Es scheint nun tatsächlich der Fall zu sein, dass die Angelegenheit zwischen den beiden Unternehmen (erstaunlich schnell) geklärt wurde. Welche Partei wie intensiv die derzeitige ‚Lösung‘ auf nicht-streitigem Wege angestrebt hat und aus welchen Motiven dies getan wurde, bleibt wohl Interna der jeweiligen beteiligten Unternehmen,

    Einigung im iPod-Streit

    Jon Mettler (© Tamedia AG), vom 20.05.2009

    http://www.bernerzeitung.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Einigung-im-iPodStreit/story/30325743

    Die Mobiliar und Apple haben ihre Unstimmigkeiten wegen eines iPod-ähnlichen MP3-Abspielgeräts beigelegt.

    Apple Schweiz verzichtet auf rechtliche Schritte gegen die Mobiliar-Versicherung. Diese hatte vergangene Woche am Swiss Economic Forum (SEF) ein Werbegeschenk in Form eines MP3-Abspielgeräts verteilt, das starke Ähnlichkeit mit dem iPod Shuffle hat. Apple hatte sich in der Folge vorbehalten, juristisch gegen den Berner Versicherer vorzugehen. Wirtschaftsrechtsexperten räumten diesem Vorhaben aber wenig Chancen ein.

    Wohl deshalb haben sich beide Firmen geeinigt, ihren Streit ohne Gerichte und Anwälte zu bereinigen. Die Mobiliar teilte gestern in einem Communiqué mit: «Die Mobiliar möchte weder einem Kunden noch einem Gast des SEF oder einem Hersteller Schaden zufügen. Sie bietet deshalb Gästen, welche mit ihrem am SEF erhaltenen Gerät nicht zufrieden sind, einen original iPod Shuffle an.» Laut Mobiliar-Kommunikationschef Peter Marthaler können sich betroffene Abnehmer des Werbegeschenks schriftlich an die Mobiliar wenden und einen iPod Shuffle verlangen. Das Original kostet im Handel 79 Franken.

    Die Mobiliar gab zudem bekannt, dass das Werbegeschenk in China hergestellt wurde. Bezogen hat der Versicherer das Gerät von einem Schweizer Lieferanten.

  • Das ist doch mal ein netter Tausch ;-)
    Dabei wäre ein einfacher MP3 Player doch auch so ein wunderbares Werbegeschenk … warum man sich entschieden hat eine geklaute iPod Version zu nehmen kann ich nicht ganz nachvollziehen.

  • @dworni

    Ich habe die belustigende Geschichte auch auf plagiat.ch verbloggt: http://www.plagiat.ch/produkte/die-mobiliar-verschenkt-ipod-fakes

    Inklusive Schadenskizze. ;-)

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  • Yachtversicherung

    Der Apfel steht für Qualität. Umso schlimmer finde ich Trittbrettfahrer, die diese Qualität imitieren. Entweder könnte man annehmen, dass das nun ein schlechtes Licht auf die Bank wirft – oder aber man könnte meinen: Ziel erreicht, die Bank ist im Gespräch.

    Marketing ist dieses Give-Away auf jeden Fall – ich bin mir nur noch nicht ganz sicher, ob gutes oder schlechtes :-)

  • David Chai

    Schade, dass die Mobiliar so in die Schlagzeilen kommen musste. Sind doch die Werbungen immer sehr lustig im Fernsehen („Liebe Mobiliar….“). Aber wahrscheinlich hat da eine(r) im Marketing einfach nicht aufgepasst und dann ist es halt passiert. Denn im vollen Bewusstsein ein Plagiat unter das Volk zu bringen… ich kann es mir nicht vorstellen. Nun, ging ja für alle Parteien noch einmal gut aus :-)

    Gruß, David.

  • KONZ

    Schon schwach. In unserem Team hat es gerade jemanden erwischt, der ein Gerät bei Ebay erworben hat, dass zwar als Original ausgegeben, aber kein Original war. Zum Glück ging dank Paypal-Käuferschutz-Druck die Sache noch mit einer Wandlung einher.

  • Dogu

    Meiner Meinung finde ich das erbärmlich, dass die für sowas eine Versicherung machen. Denn man kann das leicht unterscheiden obs eine Fälschung ist oder nicht.