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Apple macht sehr vieles richtig… Aber nicht alles.

Apple Headphones

Apple Headphones, by fullhdwpp.com

Neulich gab es im Tagesanzeiger ein Interview mit Olivia El Sayed unter dem Titel „Apple macht sehr vieles richtig„. Die junge Frau ist Buchautorin und Brand Managerin bei The Brander. Die Zeitung fragte, was an einer Marke fasziniert.

Nehmen wir das Beispiel Apple. Man muss der Firma nicht hörig sein. Aber ist es nicht unglaublich, dass man heute alle Anhänger dieser Marke an ihren weissen Kopfhörern erkennt? Apple macht sehr vieles richtig.

Frau El Sayed hat da gar nicht so unrecht. Sicher sind euch die weissen Kopfhörer auch schon aufgefallen. Bei der Veröffentlichung damals konnte man gar nicht so richtig glauben, dass Apple weisse Kopfhörer mit dem iPod ausliefert. Alle anderen MP3-Player hatten, wenn überhaupt, schwarze Kopfhörer. Das war beim Walkman schon so und soll immer noch so sein. Überhaupt werden weisse Kopfhörer viel schneller schmutziger…  Inzwischen sind die weissen Kopfhörer von Apple ein Wahrzeichen. Man erkennt in der Bahn, auf dem Gehsteig und überall sofort die weissen Kopfhörer und verbindet diese automatisch mit einem iPod, iPhone oder anderen Gerät von Apple.

Verschobene Wahrnehmung der Leser dank unvollständigem Journalismus

Was mich aber wesentlich mehr fasziniert hat als das Interview, sind die Reaktionen der Leser. Die Produkte von Apple werden „Blut-Geräte“ genannt und immer wieder werden auf die schlechten Arbeitsbedingungen in den asiatischen Fabriken von Apple hingewiesen.

Ja, Apple lässt in asiatischen Ländern produzieren. Die Arbeitsbedingungen sind selbst für lokale Vergleiche nicht optimal. Im Vergleich zum Westen natürlich wesentlich schlechter. Die Fabrik, über welche Apple immer wieder an den Pranger gestellt wird ist Foxconn. Wir wissen ja inzwischen, dass alle IT-Marken dort produzieren lassen. Alle Arbeiter arbeiten unter den gleichen schlechten Bedingungen für Microsoft, Nintendo, Amazon, Dell, Hewlett-Packard, IBM, Lenovo, Motorola, Nokia, Sony, Toshiba, Cisco, Intel und sogar Samsung. Seit dem aufdecken des Vorfalls arbeitet Apple mit einer unabhängigen Organisation an der kontinuierlichen Verbesserung. Geregelte Arbeitszeiten, Reduktion der Überzeiten, bessere Löhne, unfallfreie Arbeitsplätze. Apple investiert viel Geld in den Fertigungspartner für die Verbesserung. Alle Schritte werden auch öffentlich zugänglich gemacht. Dies Verbesserung beziehe sich aber auf die Fertigungsstrassen der Apple Produkte. Foxconn-Mitarbeiter welche für Produkte der Konkurrenz arbeiten müssen, können noch nicht von den Verbesserungen profitieren oder nur vereinzelt…

Samsung kann sich gut verstecken

Beim Mitbewerber Samsung ist es noch viel schwieriger die echten Arbeitsbedingungen aufzudecken. Vieles wird in den eigenen Fabriken in Südkorea gefertigt. Unfälle mit Chemikalien werden da unter den Teppich gekehrt und Schadensersatzzahlungen der tödlich verletzten oder schwerstbehinderten Mitarbeiter vor Gericht so lange in die Länge gezogen, bis diese aufgeben oder eine kleine Zahlung aussergerichtlich bekommen. Die Familie Lee von Samsung ist in ganz Südkorea gut vernetzt. Niemand wagt es Samsung zu beschmutzen…

Apple ist ein dankbares Opfer

Aber ja, Apple ist ein dankbares Opfer. Das wusste damals schon Greenpeace. Inzwischen bezieht Apple schon beinahe 100% der Energie aus erneuerbaren Stromquellen. Den Mitbewerbern ist es egal. Sie dürfen weiterhin schmutzigen, billigen Strom verbrauchen. Ähnlich läuft es im Moment mit den Arbeitsbedingungen. Apple bemüht sich und verlagert immer mehr Aufträge weg von Samsung und Foxconn zu anderen Anbietern. Einige der Arbeiten werden auch wieder ins Mutterland USA zurückgenommen. Aber auch hier, die Konkurrenz braucht nichts zu tun, denn das Scheinwerferlicht zeigt nur zu Apple! Vielleicht wäre es an der Zeit, dass die Journalisten das Volk aufklären und den Lichtkegel etwas grösser machen. Aber wäre natürlich doof wenn die Leserschaft sich bewusst wird, dass jeder ein Blut-Gerät besitzt und man nicht mehr einfach Apple böse anschauen kann, sondern vor der eigenen Türe kehren sollte…

Von dem her ja: Apple macht vieles richtig, aber eben nicht alles. Wer macht das schon… Wichtig ist aber, dass man sich zumindest darum bemüht alles richtig zu machen!

iReview 13/2012

iReview

Man merkt es. Heute ist der 1. April und die vermeintlichen Scherze versuchen sich zu überbieten… Kommt es nur mir so vor, oder sind die 1. April-Scherze dieses Jahr noch lahmer als im letzten Jahr?

Wie dem auch sei, letzte Woche ist der erste FLA-Report erschienen, welcher die Arbeitsbedingungen und Zustände in den Foxconn-Fabriken kontrolliert für Apple. Meine Meinung dazu habe ich am Samstag verbloggt für euch. Ansonsten wird über Retina im MacBook spekuliert, was auch gleich die Gerüchte um ein MacBook touch ankurbeln. Und wie es anzunehmen war, Apple bekommt bezüglich der Bezeichung iPad 4G ärger, weil eben 4G LTE auf jedem Kontinent was anderes bedeutet…

In der vergangenen Woche war nicht nur Steve Wozniak in der Schweiz, nein auch sonst hat sich einiges getan. Wie immer nachzulesen im ApfelBlog-Wochenrückblick von der Woche 13/2012. Ich wünsche Euch eine interessante Lektüre.

Apple und Foxconn sorgen für Zugzwang bei Samsung und Co.

Tim Cook bei Foxconn

Apple gerät wegen den schlechten Arbeitsbedingungen beim Zulieferer Foxconn immer wieder in die Kritik. Die Medien nehmen das grosse, reichste und wertvollste Unternehmen natürlich gerne in Ziel und so verbreiten sich die Artikel über die Missstände bei Foxconn rasend schnell um die Welt.

Tim Cook, der CEO nach Steve Jobs, hat nun Gegensteuer gegeben und klärt offen und transparent auf, wer die Zulieferer sind und ging eine Zusammenarbeit mit der unabhängigen Organisation Fair Labor Association (FLA) ein. Die Organisation soll für Apple die Arbeitsbedingungen in den Foxconn Fabriken kontrollieren und zusammen mit Apple und Foxconn an den Verbesserungen arbeiten. Kürzlich wurde der erste Report veröffentlicht und tatsächlich gibt es noch Missstände. Namentlich wurden vor allen Verstösse gegen die Sicherheit und zu oft gegen die Arbeitszeiten. Sehr viele Arbeiter leisten immer noch zu viele Überstunden! Hier sorgt Apple nun dafür, dass die Überstunden abnehmen in dem man tausende von neuen Mitarbeiter einstellt. Auch Foxconn hat schon reagiert und die Arbeitszeiten heruntergeschraubt. Kaum war das bekannt, haben die Mitarbeiter mit Empörung reagiert! Sie verstehen nicht, warum man nun weniger arbeiten soll, schliesslich waren die Überstunden ein gutes Einkommen… Das zeigt einmal mehr den Konflikt zwischen dem Westen und dem Osten…

Ich bin aber überzeugt, dass wenn Apple, FLA und Foxconn einen guten Job machen, Arbeitsplätze bei Foxconn sehr, sehr begehrt werden. Weniger arbeiten, gleicher Verdienst, bessere Unterbringung und höhere Sicherheit-Standards. Andere Fabriken kommen so in den Zugzwang ebenfalls für bessere Arbeitsbedingungen zu sorgen. Das sagt auch der FLA Chef Auret van Heerden gegenüber Reuters:

Given that Foxconn and Apple have now decided to raise the bar… dramatically improved conditions for workers… other factories are going to start losing workers, workers are going to choose to go and work at Foxconn… you work less and you get the same money, and you get time to spend it. Other factories will have to raise their offer in order to attract and retain workers… Apple and Foxconn will set the bar that everyone else will have to meet. – FLA president, Auret van Heerden

Arbeitsbedingungen bei Foxconn werden nur für Apple-Linien kontrolliert
Die FLA hat zur Zeit nur ein Mandat von Apple um deren Fertigungslinien zu kontrollieren. Mit anderen Worten, zur zeit verbessern sich in erster Linie die Arbeitsbedingungen nur für Personen, welche in den Apple-Fertigungslinien arbeiten. Es bleibt zu hoffen, dass Foxconn von den Verbesserungen lernt und diese auch in die anderen Fertigungslinien überträgt, oder zumindest die anderen Foxconn-Kunden wie Dell, HP, Motorola, Nokia, Amazon, Microsoft und Sony Verantwortung übernehmen.

Samsung hätte es in der Hand es besser zu machen
Aussen vor bleibt der Smartphone Mitbewerber Samsung, denn der asiatische Konzern ist weniger auf Zulieferer angewiesen. Die meisten Arbeitsschritte werden in den eigenen Fabriken erledigt, da jedoch herrschen auch schlechte Arbeitsbedingungen und es gab auch schon Todesfälle. Eigentlich schade wenn man die direkten Angestellten nicht besser behandeln kann, wo es doch so viel einfacher wäre im selbigen Konzern für die Mitarbeiter zu sorgen…

Ich bin gespannt wie lange man die Mitbewerber unter Druck setzen muss, bis auch sie dafür sorgen, dass in deren Zulieferer-Ketten sichere und gerechte Arbeitsbedingungen durchgesetzt werden.

Fair Labor Association startet Kontrollen bei Foxconn

FLA und Apple kontrollieren Foxconn

Apple hat heute bekannt gegeben, dass die Fair Labor Association auf Bitten von Apple spezielle, freiwillige Untersuchungen von Apples Endmontage-Zulieferern, inklusive den Fabriken von Foxconn in Shenzhen und Chengdu in China durchführen wird. Ein Team von Arbeitsrechtsexperten unter der Führung von FLA-Präsident Auret van Heerden hat am Montagmorgen mit den ersten Untersuchungen in der Fabrik in Shenzhen, besser bekannt als Foxconn City, begonnen.

Tim Cook, CEO von Apple, sagt dazu:

Wir sind überzeugt, dass Arbeiter überall das Recht auf eine sichere und faire Arbeitsumgebung haben und aus diesem Grund haben wir die FLA gebeten unabhängig die Bedingungen bei unseren grössten Zulieferern zu beurteilen. Die Untersuchungen, so wie sie jetzt stattfinden, sind bisher einzigartig in der Elektronikindustrie, sowohl im Ausmass als auch dem Umfang. Wir schätzen es, dass die FLA der ungewöhnlichen Massnahme zugestimmt hat, die Fabriken in ihren Berichten zu benennen.

Als Teil der unabhängigen Beurteilungen wird die FLA tausende Arbeiter über die Arbeits- und Wohnbedingungen befragen, inklusive Gesundheits- und Sicherheitsmassnahmen, Ausgleichszahlungen, Arbeitsstunden sowie Kommunikationsmöglichkeiten mit dem Management. Das Team der FLA wird die Bereiche der Fertigung, die Unterkünfte und andere Betriebseinrichtungen inspizieren und eine intensive Überprüfung aller Dokumente durchführen, die im Zusammenhang aller Abläufe während des gesamten Arbeitsverhältnisses stehen.

Ich bin gespannt welche Ergebnisse diese Untersuchungen an den Tag bringen und welche Massnahmen unternommen werden. Denn das es Missstände gibt, ist bekannt. Die Frage ist nur in welchen Massen und was man dagegen machen kann und muss. Gerade bei Foxconn würde mich interessieren, wie stark die anderen Kunden wie Nintendo, Dell, Acer und Co. in die Pflicht gebunden werden und wann ein zweites Technologieunternehmen, neben Apple, der unabhängigen Organisation beitreten wird…

Mehr zum Apples Supplier Responsibility Program, inklusive der Ergebnisse der von Apple durchgeführten 500 Kontrollen bei den Fabriken der Lieferkette innerhalb der letzten fünf Jahre, findet man unter www.apple.com/chde/supplierresponsibility.